In einem Interview hatte Glawischnig gesagt, der Vertrag von Lissabon sei tot - was dem grünen Europa-Abgeordneten Johannes Voggenhuber zu einem Aufschrei veranlasste: "Das ist nicht die grüne Position." Kurz darauf ruderte sie wieder zurück, eine Wiederbelebung sei möglich. Es wird nicht der einzige Stolperstein in Glawischnigs noch kurzer Amtszeit als Bundessprecherin sein. Der Partei steht nach der Niederlage bei der Nationalratswahlen ein Facelifting bevor, was allerdings angesichts der basisdemokratischen Struktur nicht leicht sein wird.
Karrierehöhepunkt durch Wahlniederlage
Gerade eben die Niederlage der Grünen bei der Nationalratswahl verschaffte der 39-Jährigen ihren bisherigen Karrierehöhepunkt. Glawischnig folgt Van der Bellen, der nach elf Jahren die Parteispitze räumt. Während es unter Van der Bellen in den vergangenen Jahren kontinuierlich - wenn auch langsam - bergauf gegangen ist, verloren die Grünen bei der Nationalratswahl 2008 zum ersten Mal unter dem langjährigen Parteichef Stimmen. Man rutschte vom dritten auf den fünften Platz ab, das Ziel von 15 Prozent wurde klar verfehlt.
Ins Rampenlicht hat es die gebürtige Kärntnerin Glawischnig schon früh gezogen: Schon mit 18 Jahren war sie als Keyboarderin der "Gerald Gaugeler Band" mit dem Song "Gelati" in den Top 10 der Austro-Hitparade. Schon damals sei sie "sehr intelligent und selbstbewusst" gewesen, erzählte Gaugeler vor Jahren in einem Zeitungs-Interview - das "Ökologisch-Politische" sei allerdings erst später gekommen.
Nach Jus-Studium in die Politik eingestiegen
Erste politische Sporen verdiente sich Glawischnig nach ihrem Jus-Studium in den 90er Jahren im Einsatz gegen die sogenannte "Ennsnahe Trasse" in der Steiermark. Aus der gemeinsamen Zeit bei der Umweltorganisation "Global 2000" stammt auch die langjährige Freundschaft mit der Wiener Umweltstadträtin Uli Sima von der SPÖ. Glawischnigs Start in die Parteipolitik über die Wiener Grünen begann dagegen mit einem Fehlstart: Bei den Landtagswahlen 1996 verfehlte sie den Einzug in den Landtag und arbeitete ohne Mandat als Umweltsprecherin der Wiener Grünen.
Drei Jahre später schaffte Glawischnig als Spitzenkandidatin der Wiener Grünen den Sprung in den Nationalrat. Dort konnte sie sich als Umweltsprecherin rasch etablieren und rückte 2002 zur stellvertretenden Parteichefin auf. Im selben Jahr dann ein Rückschlag für die ehrgeizige Kärntnerin: Bei den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP war sie schon als Umweltministerin einer schwarz-grünen Regierung gehandelt worden. Doch die Gespräche scheiterten. Und während ÖVP-Nationalratspräsident Andreas Khol seine Verhandlungspartnerin als "wunderschön, aber eine Marxistin" bezeichnete, hatte Glawischnig, die sich bei einer Verhandlungsrunde mit Kreuz um den Hals präsentierte, bei den Medien damit den Ruf einer "Bürgerlichen" weg.
Wahlsieg bei Kärntner Landtagswahl 2004
Zwei Jahre später dann der bisher größte politische Erfolg Glawischnigs: Bei der Kärntner Landtagswahl 2004 konnte sie den letzten weißen Fleck von der Landkarte ihrer Partei tilgen und führte die Grünen in ihrem Heimatbundesland dank eines intensiven Wahlkampfeinsatzes (gemeinsam mit Spitzenkandidat Rolf Holub) erstmals zum Einzug ins Landesparlament - und das trotz des damals noch äußerst minderheitenfeindlichen Kärntner Wahlrechts. Seither sind die Grünen in allen neun Landtagen vertreten. Nach der Nationalratswahl im Oktober 2006 folgte dann ein weiterer Karriere-Höhepunkt: Glawischnig zog als erste Grün-Politikerin ins Nationalratspräsidium ein.
Kritik und Häme brachte Glawischnig ihre Nähe zu den Society-Seiten des Landes ein: Ihre Hochzeit mit dem TV-Moderator Volker Piesczek im Jahr 2005 wurde ebenso öffentlichkeitswirksam vermarktet wie ihre anschließende Schwangerschaft. Hochglanz-Fotos der Grünen Frontfrau schmückten die Titelseiten: Im bauchfreien Hochzeitsgewand, mit nach unten gerutschtem Träger beim Blutspenden und auch zuletzt noch mit kurzem Rock auf einem Sofa posierend.
Grünes Engagement nicht in die Wiege gelegt
Ihr Engagement für die Grünen wurde der begeisterten Hobbyläuferin Glawischnig übrigens nicht gerade in die Wiege gelegt: Geboren wurde sie am 28. Februar 1969 in Seeboden, einer freiheitlichen Hochburg im heute orangen Kernland Kärnten. Die Schulbank drückte sie unter anderem mit dem heutigen FP-Generalsekretär Herbert Kickl.
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