Versuchter Anschlag
Bombe an Bord: Sprengstoff war in Kondom versteckt
Der 23-jähriger Nigerianer wollte am Christtag eine Bombe an Bord des Northwest-Airbus mit 289 Menschen an Bord (siehe Bild) zünden. Er hatte sich nach Angaben von Passagieren 20 Minuten lang in der Bordtoilette eingesperrt, bevor er den Sprengsatz an seinem Platz zünden wollte. Umar Farouk Abdulmutallab war durch den Einsatz von mutigen Mitpassagieren im letzten Moment an seinem Vorhaben gehindert worden. Eine kleine Explosion hatte der Mann bereits ausgelöst.
23-Jähriger besaß nur Hinflugticket
Der 23-Jährige wurde ins Krankenhaus eingeliefert, das er inzwischen aber wieder verlassen hat. Der mutmaßliche Attentäter verfügte nach Angaben der niederländischen Anti-Terror-Behörde NCTB über ein gültiges Visum für die USA. Abdulmutallab sei von Lagos nach Amsterdam geflogen und habe dort einen Anschlussflug nach Detroit genommen. Wie es hieß, besaß er nur ein Hinflug-Ticket.
Nach ersten Ermittlungen habe die Fluglinie Northwest Airlines vor dem Abflug in Amsterdam-Schiphol vorschriftsmäßig eine Liste mit den Angaben der Passagieren an die US-Behörden weitergeleitet und daraufhin von diesen die Erlaubnis zum Start erhalten. Laut NCTB erfolgte am Flughafen Amsterdam-Schiphol zudem eine Sicherheitskontrolle, die "nach ersten Ermittlungen den Vorschriften entsprechend durchgeführt wurde". Eine erste Analyse der US-Bundespolizei FBI habe ergeben, dass der Mann die Substanz Pentaerythrit entzünden wollte.
Hintergründe der Tat weiter unklar
Gegen den 23-Jährigen wurde bereits Anklage erhoben. Zu seiner ersten Einvernahme erschien Abdulmutallab im Rollstuhl und mit Verbänden an seinen Händen. Er sprach Englisch und akzeptierte einen Pflichtverteidiger. Nach Informationen von ABC und NBC sagte Abdulmutallab nach seiner Festnahme aus, den Sprengstoff im Jemen erhalten zu haben, begleitet von genauen Anweisungen zu seinem Einsatz. Über seinen Internetkontakt mit einem radikalen jemenitischen Geistlichen habe er ein führendes Al-Kaida-Mitglied im Jemen kennengelernt. In einem Trainingslager des Terrornetzes nahe der Hauptstadt Sanaa sei er dann einen Monat lang in der Herstellung von Sprengsätzen ausgebildet worden. Wann der 23-Jährige im Jemen war, ist noch unklar.
Der Sender NBC meldete dagegen, der Täter habe im Verhör behauptet, den Anschlag ohne Hintermänner geplant zu haben. Auch Vertreter der US-Terrorabwehr zeigten sich skeptisch. Sie vermuten, er könnte die Tat auch allein begangen haben.
Passagiere reagierten geistesgegenwärtig
Wie das "Wall Street Journal" berichtete, sagte Abdulmutallab aus, er habe das Pulver mithilfe einer mit Chemikalien gefüllten Spritze zur Explosion bringen wollen. Dabei geriet jedoch seine Kleidung in Brand, durch einen Knall und das Feuer alarmierte Passagiere reagierten blitzschnell und konnten den Verdächtigen innerhalb von Sekunden überwältigen. Das Intel-Institut in Washington, das sich auf die Auswertung von terroristischen Internet-Seiten beschäftigt, sprach von einem "ernsthaften terroristischen Anschlagsversuch".
Die Fluggesellschaft Delta, die Northwest übernommen hat, teilte mit, dass zwei Passagiere leichte Verletzungen davongetragen hätten. Der mutmaßliche Täter habe Verbrennungen dritten Grades erlitten. Nach der Landung wurde das gesamte Gepäck der 278 Passagiere nochmals kontrolliert. Fluggäste müssten sich auf "zusätzliche Überprüfungsmaßnahmen" einstellen, um die Sicherheit auf nationalen und internationalen Flügen zu gewährleisten, erklärte das Heimatschutzministerium.
Durchsuchungen in London
Indes gingen auch die britischen Behörden den Spuren des mutmaßlichen Täters in London nach. Der 23-Jährige soll nämlich zwischen 2005 und 2008 am University College London Maschinenbau studiert haben. Scotland Yard befragte Personen aus dem Umfeld des Verdächtigen und durchsuchte mehrere Häuser, darunter auch die Wohnung, in der während des Studiums lebte. Premierminister Gordon Brown sprach von einer "ernsthaften möglichen Bedrohung" und wolle weitere Maßnahmen ergreifen, falls dies erforderlich sei.
EU überprüft Sicherheitsregeln
Die EU-Kommission untersucht nach dem fehlgeschlagenen Anschlag nun, ob alle Sicherheitsregeln in Europa eingehalten wurden. "Ich bin entsetzt über die versuchte Terrorattacke", erklärte EU-Innen- und Justizkommissar Jacques Barro. Die EU-Behörde sei mit den verantwortlichen Stellen in den Niederlanden und in den USA in Kontakt. Der Vorfall zeige, dass man im Kampf gegen den Terrorismus wachsam bleiben müsse.







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