Doch selten werden solche Anfragen an das Flüchtlingsmädchen auf österreichweit beachteten Pressekonferenzen kundgetan. Die Vorgeschichte: Franzobel, mit bürgerlichem Namen Franz Stefan Griebl, hat am Dienstag beim Medientermin zum Opernball 2010 bei einem literarischen Text über den "größten Maturaball Österreichs" angekündigt, dass er gerne mit Zogaj auf den Ball gehen würde.
Desiree Treichl-Strürgkh, Organisatorin der Veranstaltung, stellte prompt zwei Tickets zur Verfügung, da Franzobel nach eigenen Angaben der Sponsor für die Zogaj-Karte abgesprungen war. "Mir tut das Mädel irre leid", meinte Treichl-Stürgkh.
Franzobel sprach gegenüber der Austria Presseagentur davon, dass er den Ballbesuch schon im vergangenen Jahr mit Zogaj fixiert hätte und sie sich "sehr gefreut" habe. Es sei keine PR-Aktion, mehr ein Versuch, "mit subversiver Kunst den Opernball von innen her aufzumischen", meinte der Autor und Theaterprofi. Die Volkshilfe Oberösterreich, die die Familie Zogaj betreut, dementierte prompt. Arigona Zogaj sei im Dezember kontaktiert worden, habe aber nicht zugesagt und seither auch nichts mehr von Franzobel gehört, hieß es gegenüber krone.at am Dienstag. Sie werde ihn jedenfalls nicht zum Opernball begleiten. krone.at berichtete im Zuge der Opernball-Pressekonferenz beiläufig über die dementierte Ankündigung.
"Verwirrung" nach Dementi des Dementis
Trotzdem verkündete der Autor danach laut dem Radiosender Ö3, er habe von Arigona Zogaj eine SMS bekommen, in der sie bekundete, es sich noch einmal zu überlegen. Der ORF-Sender berichtete am Mittwochmorgen über eine "Verwirrung" bezüglich des Opernballes.
Volkshilfe-Betreuer Deil erklärte krone.at am Mittwoch: "Ja, es gab ein SMS. Darin hat aber Arigona gesagt, dass sie nicht auf den Opernball gehen möchte. Sie würde sich dort nicht wohlfühlen." Franzobel habe es mit der Aktion sicherlich "gut gemeint". Allerdings suche die 18-Jährige keineswegs in dieser Form die Öffentlichkeit.
Von krone.at am Mittwoch kontaktiert, bestätigte schließlich auch Franzobel, dass er von Arigona Zogaj eine Absage erhalten hat. Ihre Betreuer würden ihr wohl gesagt haben, dass das nicht so gut ankäme. Dass die Aktion ein PR-Gag war, bestreitet er weiterhin: "Es war schon das Gefühl vorrangig, ihr etwas Gutes zu tun." Ab einem gewissen Alkoholspiegel finde auf derartigen Veranstaltungen ja "eine Fraternisierung quer durch die Besucher statt", meint der Autor.
Er glaubt auch, dass es Arigona Zogaj auf dem Opernball gefallen hätte. Er hätte ihr gern das "andere Österreich", das "Fassaden-Österreich" auf der Tanzveranstaltung gezeigt: "Aber bei so viel Hass ist so was in Österreich leider nicht möglich."
Franzobel: "Vielleicht etwas naiv"
Allerdings gesteht der Autor auch ein, dass es "vielleicht etwas naiv war" zu glauben, dass bei einer derartigen Ankündigung während einer Opernball-Pressekonferenz kein Echo folgen würde. Vornehmlich provozierte die Aussicht auf Arigona Zogaj am roten Teppich vor der Staatsoper nämlich Reaktionen aus dem rechten Eck mit geradezu wüsten Beschimpfungen für die 18-Jährige und den Autor.
Das "andere Österreich" will der Dichter der 18-jährigen Kosovarin trotzdem bei nächster Gelegenheit zeigen. Auf eine Ankündigung im Vorhinein werde er aber dann verzichten, meint Franzobel.
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