Kult-Spiel

Gauntlet: Seven Sorrows

Spiele
31.03.2006 18:28
1985 schuf Atari mit "Gauntlet" das erste Spiel, bei dem vier Spieler gleichzeitig miteinander antreten konnten. Der Erfolg war vorprogrammiert. 21 Jahre später gibt es bei „Gauntlet: Seven Sorrows“ ein Wiedersehen mit den vier Helden von damals. Am Spielspaß hat sich bis heute nichts geändert.

Die Hintergrundgeschichte von „Gauntlet: Seven Sorrows“ ist schnell erzählt und eigentlich auch nur eine fadenscheinige Ausrede, um sich endlich durch Horden von Gegnern metzeln zu können. Die Kurzfassung: Die sieben Todsünden wollen von den Helden zur Strecke gebracht werden. Im Intro und Zwischensequenzen hat man sich daher auch gar nicht erst die Mühe gemacht, eine anspruchsvolle Geschichte zu erzählen. Ein paar abgefilmte Zeichnungen und eine Sprecherstimme müssen reichen, um den Spieler kurz auf das Wesentliche einzustimmen.

Noch immer stehen dem Spieler die vier Charaktere (Kämpfer, Zauberer, Elf, Walküre) zur Auswahl. Auswirkungen auf das Spielgeschehen hat die Wahl allerdings kaum, lediglich Kampfstil und Startattribute sind verschieden. Jede Figur verfügt über eine Nah- und eine Distanzwaffe, deren Munitionsvorrat unendlich ist. Durch gewonnene Erfahrung können Attribute wie Schaden, Mana und Gesundheit verbessert werden. Mana wird in erster Linie für zahlreiche Kombos benötigt, die nach und nach durch eingesammeltes Geld erworben werden können. Wer jedoch fleißig spielt, der wird schon nach drei Viertel des Spiels alle Extras eingekauft haben und bleibt dann auf seinem Geld sitzen. Ein paar mehr Kombos oder gar Waffen wären also nicht schlecht gewesen.

Die Macher von „Gauntlet“ wollten aber offensichtlich so nah wie möglich an der Original-Vorlage bleiben, was sich auch an der Art der Rätsel und dem Leveldesign erkennen lässt. Hier konzentriert sich die Suche hauptsächlich auf bestimmte Schlüssel, mit denen ein Tor nach dem nächsten geöffnet wird, oder das Umlegen von Schaltern. Die berühmten Schatztruhen, in denen sich heilende Nahrungsmittel oder Gold befinden, sowie die Teleportationsfelder, mit denen der Spieler kreuz und quer durch die Gegend gebeamt wird, dürfen natürlich ebenso wenig fehlen wie die gläsernen Wände. Ansonsten gibt es nur eines: Monster, Monster und nochmals Monster.

Diese Gegner-Scharen lassen sich anfangs zwar auch recht gut alleine managen, spätestens beim ersten der insgesamt sieben Endgegner macht sich ein zweiter Spieler jedoch bezahlt. Und Gauntlet wäre nicht Gauntlet, wenn nicht sogar insgesamt vier Spieler an einer Konsole (auf der Playstation über Multitap) metzeln könnten. Es mag dann zwar mitunter sehr chaotisch auf dem Bildschirm zugehen, aber gemeinsam mit Freunden entwickelt „Gauntlet: Seven Sorrows“ erst so richtig den vollen Spielspaß. Sehr vorteilhaft: Jeder Spieler kann jederzeit ins Spielgeschehen ein- oder aussteigen. Wem vier Mitspieler zu wenig sind, der darf ab sofort auch online in die Schlacht ziehen.

Grafisch hat sich im Vergleich zur 85er-Version natürlich einiges getan. Anstatt der Draufsicht bekommt der Spieler nun eine schmucke 3D-Optik geboten. Die Level wurden allesamt sehr umfangreich und liebevoll gestaltet, wenngleich gegen Ende des Spiels die Level immer kleiner werden, dafür aber mit umso mehr Gegnern gespickt sind. Dann kommt es leider immer wieder vor, dass man die eigene Figur im Getümmel nicht mehr ausfindig machen kann – schließlich zucken farbenfrohe Effekt-Blitze im Sekundentakt über die Mattscheibe. Hier wäre eine farbliche Abhebung wünschenswert gewesen. Musikalisch geht es sehr viel minimalistischer zur Sache: Feine Orchesterklänge untermalen das Schlachtengetümmel, Worte werden hingegen so gut wie gar nicht gewechselt.

Das Gameplay stellt keine allzu großen Herausforderungen an den Spieler, wodurch sich „Gauntlet: Seven Sorrows“ auch sehr gut für Einsteiger eignet. Im Prinzip reicht ein schnelles Händchen zum Knöpfchendrücken. Die zahlreichen Kombos sind zwar nett und sehen auch schön aus, normale Schläge reichen jedoch meist völlig aus. Wenn es doch einmal zu hektisch wird, dann fegt auf Knopfdruck ein „Mana-Blast“ alle Gegner im Umkreis fort. Sehr erfreulich ist, dass die fixe Kamera nur äußerst selten Anstalten macht.

Fazit: „Gauntlet: Seven Sorrows“ bietet keine ausgefeilte Story, keine Rollenspiel-Elemente und auch sonst kaum Tiefgründiges. Hier geht es einzig und allein um den Spaß am Metzeln – und den hat man – insbesondere im Koop-Modus – zuhauf. Freunde unkomplizierter Action kommen also voll auf ihre Kosten, wenngleich die Spielzeit ein wenig länger ausfallen hätte können. 

Plattform: PS2 (getestet), Xbox
Publisher: Midway
Krone.at-Wertung: 79%

von Sebastian Räuchle

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