Sa, 20. Jänner 2018

CES 2018

11.01.2018 14:16

Autonome Autozukunft: Das große Ganze fehlt (noch)

Bereits seit Jahren propagieren Autokonzerne, Zulieferer und andere Technologiefirmen die emissions- und fahrerlose Mobilitätszukunft. Dabei hat sich vor allem die Elektronik-Messe CES in Las Vegas als die große Präsentationsplattform für entsprechende Technikinnovationen und visionäre Konzernstrategien etabliert. Das ist auch 2018 der Fall. In diesem Jahr stehen aufs Neue innovative Stromer, autonome Fahrkünste und die Verkündung richtungsweisender Investitionen und Allianzen im Fokus der Automotive-Unternehmen. Mit ihren Ankündigungen machen die großen Konzerne allerdings auch klar: Das Roboterauto braucht Zeit.

Technisch gesehen sind Roboterautos eigentlich kein Hexenwerk mehr. Das haben Forschungsteams und Autohersteller bereits auf den von 2004 bis 2007 abgehaltenen Darpa-Challenges des US-Verteidigungsministeriums eindrucksvoll demonstriert. Mittlerweile kann als erstes ziviles Serienfahrzeug der Audi A8 ein Fahren in der dritten von insgesamt fünf Autonomiestufen ermöglichen (auch wenn er es noch nicht darf). Serienautos auf Stufe 4, also dem vollautomatisierten Fahren, scharren bereits mit den Füßen. Unter anderem hat auf der CES 2018 das Start-up Byton fürs kommende Jahr die Markteinführung eines selbstfahrenden SUVs angekündigt, welches aber noch über Gas- und Bremspedal als auch Lenkrad verfügen wird. Im bayerischen Bad Birnbach geht die Deutsche Bahn sogar schon einen Schritt weiter: Dort bringt seit Herbst 2017 ein Minibus auf einer lasergenau gescannten Teststrecke auf Autonomielevel 4 Gäste von A nach B. Noch muss hier allerdings ein Fahrer an Bord sein, der nötigenfalls eingreifen kann.

Erklärtes Ziel in der Entwicklung ist aber der Bau autonomer Autos, die Level 5 beherrschen. Diese Roboterautos sollen dann auf Lenkrad oder Bremspedal verzichten. Ein Fahrer wäre damit überflüssig. Die Fahrzeuge technisch mit dem entsprechenden Rüstzeug auszustatten, ist bereits heute möglich, allerdings dürften die Kosten dafür vorläufig noch recht hoch sein. Das wesentlich größere Problem: Die Infrastruktur in Städten ist noch nicht ansatzweise auf solche Fahrzeuge ausgerichtet. Das weiß man auch beim Autokonzern Ford, der auf der CES angekündigt hat, eine Plattform ins Leben zu rufen, die Aktivitäten auf vielen verschiedenen Ebenen und mit verschiedenen Akteuren bündeln soll, um die Voraussetzungen für eine grundlegende Neudefinition von Mobilität in Städten überhaupt zu schaffen. Kommunen, Städteplaner, Technologen, Designer - in vielen Bereichen müssen Strategien gebündelt und koordiniert werden. Eine gewaltige Herausforderung.

Doch soll damit nach Meinung von Ford ein Wandel einhergehen, der es den Menschen erlaubt, Städte wieder lebenswert zu machen. Der Autokonzern Ford, der wie kein anderer symbolhaft für den Siegeszug des Automobils steht, will künftig daran arbeiten, die Städte für den Menschen zurückzuerobern und die Renaissance der lebendigen Straße einzuleiten. Dabei soll die von Ford geplante Plattform helfen, Infrastruktur, Robotertaxis, Fahrdienste und den öffentlichen Nahverkehr zu verknüpfen. Unter anderem muss dafür alles mit allem kommunizieren können. Wann und wo allerdings aus dieser Masterplan-Idee die Grundlagen für den massenhaften Betrieb von Roboterautos geschafft werden könnten, bleibt offen.

Etwas konkreter wird man bei der Allianz von Renault, Nissan und Mitsubishi. 2024, so die Hoffnung, könnte das Robotertaxi zur Wirklichkeit im Alltag werden. Allerdings weiß man auch hier, dass es dazu einer großen Orchestrierung verschiedener Akteure und Bereiche bedarf. Auf der CES hat Allianz-Chef Carlos Ghosn deshalb angekündigt, in den kommenden fünf Jahren eine Milliarde Dollar in eine Plattform zu investieren, in der Start-ups und die drei Autokonzerne gemeinsam an dieser Zukunft arbeiten können.

(SPX)

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