Sa, 18. November 2017

A4-Schlepperprozess

03.10.2017 14:58

Anklage gegen „Vorgesetzten“ des „Chefs in Ungarn“

Die Zahl der Angeklagten im A4-Schlepperprozess im ungarischen Kecskemet wird länger und offenbar gelangen die Ermittler in der Hierarchiestruktur nun langsam nach oben. Wie die zuständige Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte, wurden rund um den qualvollen Tod von 71 Flüchtlingen in einem Kühl-Lkw nun drei weitere mutmaßliche Bandenmitglieder angeklagt. Einer von ihnen, ein 26-jähriger Afghane, soll sogar über dem bisherigen Hauptangeklagten agiert haben. Die beiden anderen neu angeklagten Männer sind Bulgaren, die entweder Schlepperfahrten durchgeführt oder Fahrer nach Ungarn gelotst haben sollen.

Von den drei Beschuldigten befindet sich allerdings lediglich ein 34-jähriger Bulgare in Haft. Der Mann, gegen den ein internationaler Haftbefehl bestand, wurde in Bulgarien gefasst und am 28. August den ungarischen Behörden übergeben. Ihm wird vorgeworfen, im Juni 2015 im Auftrag der Chefs der Organisation gegen Entgelt drei Fahrer aus Bulgarien nach Ungarn gebracht zu haben. Zwei von ihnen habe er zu illegalen Flüchtlingstransporten nach Westeuropa überreden können. Der 34-Jährige fungierte bei diesen Transporten als Begleitfahrer. Als einer der Schlepper gefasst wurde, setzte sich der 34-Jährige nach Bulgarien ab.

3500 Euro für Schleppung von Ungarn nach Deutschland
Seinem 33-jährigen Landsmann werden Schleppungen zur Last gelegt. Er soll am 22. August 2015 - also nur wenige Tage vor dem Tod der 71 Flüchtlinge - in einem geschlossenen Fahrzeug 40 illegale Migranten von Kecskemet nach Deutschland geschmuggelt haben. Dafür seien ihm 3500 Euro versprochen worden.

Als wichtigster Beschuldigter gilt der 26-jährige Afghane, der nach Erkenntnissen der Behörden von Mai bis 27. August 2015 systematisch und gegen Entgelt Schleusungen von Flüchtlingen von Serbien nach Ungarn und weiter nach Österreich und Deutschland organisiert hat. Er sei auch bei der Schleppung der 71 Migranten in einem Kühl-Lkw einer der Organisatoren gewesen, werde aber nicht des vorsätzlichen Mordes angeklagt, hieß es.

Afghanisch-pakistanische Schlepper-Kooperation
Der Afghane stand laut Staatsanwaltschaft in regelmäßigem Kontakt zu einem pakistanischen Schlepper, der in Serbien agierte und für den Transport der Migranten an die serbisch-ungarische Grenze und die Organisation des illegalen Grenzübertritts verantwortlich war. Der Angeklagte habe auch persönlich und telefonisch Weisungen an den 30-jährigen afghanischen Hauptangeklagten erteilt, damit die Schleppungen reibungslos abliefen, und war den Angaben zufolge an der Anwerbung von Flüchtlingen beteiligt. Damit habe er mindestens 300.000 Euro verdient.

Ähnlich wie den elf anderen Angeklagten wird auch den drei neuen Beschuldigten seitens der Staatsanwaltschaft Menschenschmuggel im Rahmen einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. Der Afghane und der 34-jährige Bulgare hätten dieses Verbrechen gewerbsmäßig begangen. Darüber hinaus wird ihnen das Quälen der geschleppten Menschen vorgeworfen. Bei den drei Männern handelt es sich um jene Personen, die in Agenturmeldungen am Montag als "festgenommen" bezeichnet wurden.

Gabor Agardi
Redakteur
Gabor Agardi
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