So, 27. Mai 2018

Leben mit COPD

29.04.2018 06:00

Der schnaubende Wolf

Was passiert, wenn jemand Wolfgang heißt, durch seine Lungenkrankheit schlecht Luft bekommt, humorvoll ist und zur Aufklärung beitragen möchte? Es entsteht ein sehr persönliches Ratgeber-Buch, das Betroffenen Mut macht.

Der schnaubende Wolf ist nämlich der Autor Wolfgang Bankowsky höchstselbst. Mitten im pulsierenden Leben eines Moderators in Stadien, Sporthallen und Messen, beim Radio und Fernsehen blieb ihm nach stressigen Tagen und Nächten mit Zigaretten und Alkohol immer öfter die Luft weg. Zuerst nur, wenn er von Termin zu Termin hetzte, dann auch bei weniger Anstrengung. Verkühlungen, von immer heftiger werdenden Hustenanfällen begleitet, wurden 2006 als „COPD, chronisch obstruktive Bronchitis“ diagnostiziert.

„Davon hatte ich noch nie etwas gehört. Da machte ich den großen Fehler, indem ich meinem Kopf gestattet habe, sich nur das Wort ,Bronchitis‘ einzuprägen, ,chronisch‘ ignorierte ich ganz einfach. Entgegen meinen beruflichen Gewohnheiten, mich exakt auf ein Thema vorzubereiten, ging ich mit meiner eigenen Diagnose mehr als oberflächlich um“, schildert der umtriebige Oberösterreicher die erste Verdrängungsphase. Der Begriff „atemlos“, der für den Medienprofi vorher das Synonym für Spaß, Schnelligkeit und Action war, erhielt nun eine völlig neue, erschreckende Bedeutung. So kam er auch durch einen Freund zum Spitznamen „der schnaubende Wolf.“

Nächster Halt: Intensivstation nach einem Erstickungsanfall. „Noch mit der Maske auf der Nase stellte ich den Ärzten die ersten Fragen“, schmunzelt der Sportreporter im (Un-)Ruhestand. Der heute 66-Jährige recherchierte und absolvierte ergänzende Therapien, besprach sich laufend mit seinem Lungenarzt Dr. Wolfgang Höller aus Linz, stellte das Rauchen ein. Durch Änderung der Ernährung nahm er 20 Kilo ab und setzte auf Bewegung der kleinen Schritte mit abwechselnden Ausdauer-Einheiten am Ergometer. „Alles zusammen motivierte mich, und doch gab es auch negative Erlebnisse, aus denen ich letztlich aber positive Schlüsse zog. Das berühmte Glas Wasser war bei mir immer halb voll, nie halb leer.

Es geht um mentale und körperliche Beweglichkeit, die wichtig gegen COPD ist. Sich daheim selbst wegzusperren, weil man glaubt, man störe nur noch, ist fatal. Alleine meine tägliche Planung, welche Wege ich heute vor mir habe, wo Höhen zu überwinden und Aufstiegshilfen zu finden sind, beschäftigt mich so, dass aufkommende Depressionen oder zumindest negative Gedanken keinen Platz finden. Mein mit dem Arzt abgestimmtes Notfallpaket gibt mir Sicherheit. Es enthält alles, was ich gegen einen Anfall benötige - samt Pulsoxymeter, alle wichtigen Medikamente und Wasser.“

Daneben wurden und werden erfolgreich begleitende Therapien eingesetzt: Ozon, Akupunktur, Yoga, Wandern. Aus der Erfahrung heraus, dass salzhaltige Luft und Solebäder Erleichterung bringen, verschlug es den „mündigen Patienten“ (Selbstdefinition) nach Kroatien. In Opatija, einem ehemaligen K&K Kurort für Lungenkranke, entdeckte er seine Liebe zur Kvarner Bucht und spürte Tag für Tag Erleichterung beim Atmen. Die natürlichen Aerosole in der Luft können während des Aufenthaltes sogar das Aerosol-Medikament aus dem Zerstäuber ersetzen. Das Essen ist leicht, die Spaziergänge am Lungomare entspannend.

Aus dem Hobbykoch wurde nun ein „COPD-Spezialkoch“. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass auch zu viel zu essen die Atmung massiv erschwert. Also lieber weniger und dafür öfter essen - nicht zu heiß, nicht zu kalt, nicht zu scharf. Faustregel: möglichst niedrige Temperatur, relativ kurz garen, wenig Fett, wenig Wasser verwenden. Das muss man öfter probieren, dann klappt es“, teilt der „Wolf“ nun seine Erkenntnisse mit anderen Betroffenen und deren Angehörigen. War ihm selber seine Frau stetige Begleiterin und Stütze. Daher hat auch das Tabuthema „Sexualität und COPD“ Raum in seinem Ratgeber - immer noch trauen sich das viele Patienten beim Arzt nicht anzusprechen. Und so macht er allen Betroffenen Mut: „Seit elf Jahren konnte ich weitere Intensiv-Aufenthalte im Krankenhaus vermeiden. Und ich habe keinen Arbeitstag versäumt!“

Buchtipp: Der schnaubende Wolf
Mit interessanten Geschichten gespickt, humorvoll und mit vielen Tipps versehen, ist das Buch von Wolfgang Bankowsky nicht nur für Patienten lesenswert, sondern auch für Angehörige und Freunde. „Der schnaubende Wolf,  COPD - Täglicher Kampf, Erkenntnisse und Tipps eines Betroffenen“ ist im Verlag my Morawa erschienen. Erhältlich im Buchhandel und online als Taschenbuch, Hardcover und e-Book.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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