Do, 26. April 2018

SUVpé oder CoupéSUV?

05.02.2018 13:05

BMW X2: Neue Baureihe ist hip, hip, hurra!

Die Gattung der SUV-Coupés gewinnt in letzter Zeit dramatisch an Bedeutung und Aufmerksamkeit. Was einst eine überschaubare Anzahl ebenso extrovertierter wie zahlungskräftiger Männer auf einen BMW X6 anspringen (und sich beim Einsteigen den Kopf anhauen) ließ, legt nach und nach alles Schrullige ab und kommt richtig in Mode. Der derzeit wohl Schönste seiner Art feiert am 3. März Markteinführung: der BMW X2.

Jung, urban und total hip - BMW macht jetzt voll auf Lifestyle. So gesehen stößt der BMW X2 in die Lücke zwischen BMW und der Tochtermarke MINI. Wem die einen zu klassisch und die anderen zu kindlich sind, der wird sich hier wohlfühlen.

Mit dem BMW X1, der die Basis bildet, hat der X2 daher nur wenig zu tun, die Designer durften sich richtig austoben. Karosseriegleichteile: Dachfinne, Türgriffe und aus. So eigenständig ist keines der bekannten Münchner SUVpés X4 und X6, und das tut der Optik ausgesprochen gut!

Der X2 sticht aus der BMW-Palette heraus
Bullig und kraftvoll, gleichzeitig elegant und sportlich steht er da mit seiner flachen Dachlinie und den kurzen Überhängen, wirkt dabei ganz und gar nicht wie ein "coupéisiertes" SUV. Bei gleichem Radstand wie der X1 (2,67 Meter) ist der X2 fast acht Zentimeter kürzer und mehr als sieben Zentimeter flacher (4,36 Meter lang, 1,82 m breit, 1,52 hoch). Die typischen Nieren am Kühlergrill sind erstmals bei einem modernen BMW unten breiter als oben, was das Design der gesamten, völlig neu gestalteten Front mit dem aggressiven Gesichtsausdruck beeinflusst (ein Muss: LED-Scheinwerfer mit hexagonalen LED-Tagfahrlichtern). Leicht eckige, nach vorne geneigte Radhäuser sollen schon im Stand Tempo machen. Aggressiv geht es auch hinten zu: Die Auspuffendrohre haben das Format derer des BMW X6 M.

An den C-Säulen prangt ein BMW-Logo, wie einst bei klassischen Coupés wie 2000 CS und 3.0 CSL - eine Art interner Ritterschlag. Und noch etwas ist neu in Sachen Design: Zusätzlich zum Modell "M Sport" gibt es erstmals auch die Option "M Sport X", die ein rallye-angehauchtes, sportliches Flair vermitteln soll.

Erstaunliches Platzangebot
Der Praxistauglichkeit tun die flachen Formen keinen Abbruch: Das Einsteigen passiert unfallfrei (was im BMW X6 wegen des flachen Dachverlaufs nicht immer der Fall ist) und hinten sitzen 1,90-Meter-Menschen auch hinter gleich Großen angenehm, ohne den Kopf einziehen zu müssen. Vom Kofferraum bleiben 470 bis 1355 Liter (X1: 505 bis 1550 Liter), die über eine recht hohe und vor allem sehr breite Ladekante erreichbar sind.

Sportliche Fahreigenschaften
Der Schwerpunkt liegt spürbar niedriger, nicht nur wegen der geringeren Fahrzeughöhe, sondern auch wegen der zwei Zentimeter niedrigeren Sitzposition. Man sitzt nur ca. vier Zentimeter höher als in einem 1er-BMW, ich habe also eine etwas bessere Übersicht, aber gleichzeitig kein hochbeiniges SUV-Gefühl.

Ich bin unterwegs im "BMW X2 xDrive 20d M Sport X", also mit Allradantrieb, 190 Diesel-PS und dem um einen Zentimeter tiefergelegten, optionalen M Sportfahrwerk - und vergesse völlig, dass ich in einer Art SUV sitze. Auch wenn die Fahrwerks-Hardware die gleiche ist wie beim X1, so ist sie im BMW X2 doch deutlich sportlicher ausgelegt. So ist etwa der Radsturz etwas mehr auf bessere Kurvenhaftung getrimmt. Da wankt nichts übermäßig, dennoch ist der BMW nicht übermäßig hart gefedert, die 19-Zoll-Räder rollen tadellos ab. Die Lenkung spricht geschmeidig an und agiert so gefühlvoll, wie man es sich von einem BMW erwartet, aber nicht so verspielt-direkt, dass man von "Gokart-artig" sprechen müsste, wie etwa in einem MINI (auch er hat die gleiche Hardware). Kurvenräubern wird da zum entspannten Genuss.

Der Motor bleibt dabei auffallend leise, drückt aber kräftig an. Die zurückhaltende Akustik war eines der Ziele bei der Überarbeitung der Motorenpalette:

Neue Motorengeneration
Unter der Haube arbeitet eine neue Motorengeneration, die einerseits auf besondere Sauberkeit und Sparsamkeit getrimmt wurde (SCR-Kat für alle Diesel), andererseits aber auch für ein künftiges 48-Volt-Bordnetz vorbereitet ist.

Einstiegsmotor ist ein 1,5-Liter-Dreizylinder mit 140 PS und manuellem Schaltgetriebe, der ausschließlich mit Frontantrieb angeboten wird (X2 sDrive 18i, ab 34.700 Euro; Aufpreis Automatik: 2000 Euro). Vorerst stärkster Benziner ist der Vierzylinder 20i mit 190 PS und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, der den Standardsprint in 7,7 Sekunden absolviert.

Die Dieselmotoren sind allesamt Vierzylinder und bieten als 18d, 20d bzw. 25d eine Leistung von 150, 190 oder 231 PS sowie ein Drehmoment von 330, 400 bzw. 450 Newtonmeter. Die beiden starken Selbstzünder sind ausschließlich mit Allradantrieb und Achtgangautomatik erhältlich. Ihre 0-100-Zeiten: 20d 7,7 Sekunden, 25d 6,7 Sekunden.

Der Verbrauch der Motoren wurde um rund fünf Prozent gesenkt. So kommt der 20i sDrive auf 5,5 l/100 km, der 20d xDrive auf 4,6 l/100 km, der 25d auf 5,1 l/100 km.

Assistenten gegen Aufpreis
Auf Wunsch parkt der BMW X2 selbsttätig ein und fährt bis 60 km/h autonom im Autobahnstau, wenn man die Hand am Lenkrad hat. Warum der Adaptiv-Tempomat nur bis 140 km/h funktioniert, bleibt allerdings ein Rätsel.

Sehr empfehlenswert ist das Head-up-Display, das Tempo und weitere Fahrinfos in die Windschutzscheibe spiegelt. Die Anzeige befindet sich etwas höher in der Scheibe als im BMW X1, aber daran gewöhnt man sich. Leider ist es nur in Verbindung mit dem großen Navigationssystem (mit 8,8 statt 6,5 Zoll großem Bildschirm) erhältlich. Kostenpunkt: an die 3500 Euro.

Unterm Strich
Der BMW X2 fällt auf im Modellprogramm der Münchner. Er soll eine neue Klientel ansprechen, eine junge, hippe Klientel. Da man in der Preisliste aber locker über 50.000 Euro kommt, werden es eher die Junggebliebenen sein, also die jugendlichen Erwachsenen, die aber nicht so berufsjugendlich sind, dass sie MINI fahren müssen. Hip, hip, hurra!

Warum?
Sticht aus der BMW-Palette heraus
Hervorragendes Fahrverhalten
Viel Platz trotz flacher Dachlinie

Warum nicht?
Adaptivtempomat nur bis 140 km/h

Oder vielleicht …
… Range Rover Evoque, Jaguar E-Pace, als kompaktes SUV-Coupé irgendwie auch Mitsubishi Eclipse Cross

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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