So, 22. April 2018

„Weg in die Sklaverei“

02.02.2018 11:15

Amazon lässt sich Arbeits-Tracker patentieren

Schöne neue Welt: Der Online-Handelsriese Amazon hat ein Armband entwickelt, das künftig von den Mitarbeitern in den Versandzentren getragen werden könnte. Es soll ihre Arbeitseffizienz erhöhen, könnte dabei aber auch zu mehr Überwachung führen. Die Ideenschrift im Archiv des US Patent Office stammt aus dem Jahr 2016 und wurde nun von Geekwire entdeckt.

Das elektronische Accessoire verfügt über einen Ultraschall- oder Radiowellentransceiver. In den Lagerhallen platzierte Empfänger können durch dessen Signal die genaue Position des jeweiligen Mitarbeiters bestimmen.

Der Bericht über die Entwicklung des Armbands löste empörte Reaktionen in Italien aus, wo Amazon mit einem der größten Lagerhäusern Europas, unweit der norditalienischen Stadt Piacenza, präsent ist. "Das elektronische Armband beleidigt die Würde der Arbeitnehmer. Arbeit ist kein Verbrechen", twitterte die scheidende Präsidentin der Abgeordnetenkammer Laura Boldrini.

"Weg in die Sklaverei"
Arbeitsminister Giuliano Poletti meinte, in Italien seien Gesetze in Kraft, laut denen man Initiativen zur Kontrolle der Produktivität der Arbeitnehmer mit den Gewerkschaften vereinbaren müsse. Die Rechtspolitikerin Giorgia Meloni sieht in dem elektronischen Armband einen Weg, um aus Arbeitnehmern "Sklaven" zu machen. "Das ist das Ergebnis der ungeregelten Globalisierung", kritisierte Meloni. Die Gewerkschaften versprachen einen entschlossenen Widerstand gegen das elektronische Armband.

Amazon plant in Norditalien zwei neue Logistikzentren. Dafür sollen 1600 Mitarbeiter angestellt werden. Ein 34.000 m2 großes Lager ist in Casirate nahe der lombardischen Stadt Bergamo geplant. In den nächsten drei Jahren sollen hier 400 neue Jobs entstehen. Die Inbetriebnahme ist im kommenden Herbst vorgesehen.

Ein weiteres Logistikzentrum ist unweit von Turin geplant. Hier sollen 1200 Personen beschäftigt werden. Investitionen von 150 Millionen Euro sind für den Turiner Standort vorgesehen, der 60.000 Quadratmeter groß sein soll. Von hier aus will Amazon auch den Südosten Frankreichs beliefern. Amazon ist seit 2010 in Italien präsent und hat bisher 800 Millionen Euro investiert und 3000 Jobs geschaffen.

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