Der Ansturm auf den Zivildienst im Oktober, ein Plus von 32%, ist kein Wunder, sondern die logische Quittung für parteipolitisches Taktieren. Dazu braucht es kein Studium, sondern schlichten Hausverstand. Wenn man die Verlängerung des Zivildienstes erst verzögert ab 2029 greifen lässt, provoziert man genau diesen Ausweichreflex. Jeder wertfreie Staatsbürger wusste von Beginn an, dass die Mindestzahl von 13.875 Grundwehrdienern verfehlt wird. Dennoch verharrt die Politik in Untätigkeit und nimmt sehenden Auges in Kauf, dass dem Bundesheer für min. zwei Jahre die dringend benötigten Rekruten fehlen. Das ist nicht nur grob fahrlässig, sondern gefährdet sowohl die militärische als auch die soziale Sicherheit Österreichs. In der militärischen Führungsausbildung gilt ein eiserner Grundsatz: Wir sind verantwortlich für die Entscheidungen, die wir treffen – aber auch für jene, die wir nicht treffen. Aus Mangel an Mut, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen und die Jugend in die Pflicht zu nehmen, entzieht sich die Politik ihrer Verantwortung. Politiker sind jedoch nicht ihren Parteien verpflichtet, sondern haben dem Volk zu dienen. Wer in Zeiten geopolitischer Umbrüche den Expertenrat ignoriert und wertvolle Jahre durch bürokratische Spielchen verstreichen lässt, handelt nicht staatstragend, sondern unverantwortlich gegenüber unserem Land.
Othmar Wohlkönig, Vzlt. i. R., Graz
Erschienen am Mi, 4.11.2026
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