Gebührenzahler sind keine unerschöpfliche Geldquelle
Der ORF klagt gegen die Kürzung von rund 90 Millionen Euro jährlich und spricht davon, dass damit an den „Grundfesten des ORF“ gerüttelt werde. Gleichzeitig wird vom neuen Generaldirektor bereits über eine Erhöhung der Haushaltsabgabe nachgedacht. Na bravo! Wenn das Geld knapp wird, ist offenbar nicht Sparen angesagt, sondern der Griff in die Taschen der Gebührenzahler. Dabei hätte der ORF nach den Skandalen und Diskussionen der vergangenen Monate eine einmalige Chance gehabt: Strukturen hinterfragen, Privilegien abbauen, den aufgeblähten Apparat reformieren und sich wieder stärker auf seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag konzentrieren. Stattdessen lautet die Devise offenbar: weiter wie bisher! Die Wiederherstellung der 13 Direktorenposten spricht jedenfalls eine deutliche Sprache. Man muss sich das einmal vorstellen: Ein Unternehmen bekommt weniger Geld vom Staat und die erste Idee ist nicht, den eigenen Apparat zu verschlanken, sondern über mehr Geld von den Bürgern nachzudenken. Und wenn die Bürger das kritisch sehen, wird eben mit dem Verfassungsgerichtshof gedroht. Vielleicht wäre es an der Zeit, beim ORF einmal die Grundfesten zu überprüfen – und zwar nicht die des Gebäudes, sondern jene der eigenen Ausgabenpolitik. Denn wer Reformen verspricht, aber zuerst die alten Strukturen wiederherstellt und gleichzeitig nach mehr Geld ruft, hat offensichtlich eines noch nicht verstanden: Der Gebührenzahler ist keine unerschöpfliche Geldquelle.
Mike Payer, Neusiedl am See
Erschienen am Do, 13.8.2026
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