Herr Stocker, wollen Sie die Wut aller Mütter auf sich ziehen? Oder wie meinen Sie das konkret mit „Kinderbetreuung ist keine Arbeit“? Was dann? Ist es unser unbezahltes Hobby? Wir Mütter machen eigentlich die wichtigste Arbeit, denn wir ziehen eine ganze Generation auf. Wir versorgen, ernähren und begleiten das junge Österreich ins Leben und bereiten diese Kinder auf alles vor, was noch auf sie zukommt. Wir erschaffen, ja gebären sie sogar – ohne uns würde es kein junges Österreich geben. Wir Mütter sorgen dafür, dass neue kluge Köpfe in die Welt kommen. Wir bereiten sie auf das Arbeitsleben vor. Wir bringen ihnen Werte und Traditionen bei (die sind Ihnen und der ÖVP ja ganz wichtig). All das machen wir Mamas 24/7 – unbezahlt, wie Sie ja wissen. Und das ganz ohne Hitzefrei, ohne gesetzlich geregelte Pausen, ohne bezahlte Überstunden, ohne Gewerkschaft im Rücken. Hausfrau, das war einmal ein angesehener Beruf in der ÖVP. Wenn man jetzt Hausfrau und erwerbstätig ist, reicht das anscheinend nicht mehr. Was sagen all Ihre Ü50-Wählerinnen wohl zu dieser Aussage, die ihr Lebtag lang „nur“ Hausfrau waren? Die haben de facto ja nie gearbeitet. Sie (generell die ÖVP) sprechen immer wieder von traditionellen Familien und Werten. Die scheinen Ihnen sehr wichtig zu sein. Wer soll diese Ihrem jungen Volk vermitteln, wenn nicht wir Mütter? In Kinderbetreuungseinrichtungen sind sie jetzt schon heillos überfordert. Sie selbst haben zwei Kinder. Ich schätze, zum Großteil großgezogen und betreut von Ihrer Frau. Eventuell auch noch von den Großeltern (das mit den Großeltern kommt heute leider nicht mehr vor, weil die ja hackeln müssen, bis sie ins Grab fallen). Den ganzen Zynismus und die Wut mal beiseite: Es ist wirklich erschütternd und traurig, wie wenig Sie die Rolle der Mütter in Österreich wertschätzen. Ich lade Sie herzlich ein, einen Tag mit meinen zwei Kindern (2 Jahre und 1 Jahr alt) ganz ohne Fremdbetreuung zu verbringen bzw. sie zu betreuen. Von frühmorgens (Tagwache 5.30 Uhr) bis beide ihre Augen schließen (20.30 Uhr). Die Nacht, in der die Kleine mehrmals munter wird, erspare ich Ihnen, da braucht sie wirklich ihre Mama. Aber für Sie sollte das ja wie Urlaub sein, denn Arbeit ist es laut Ihnen ja keine. Was ich noch festhalten möchte, damit Sie mich nicht falsch verstehen: Ich liebe diesen Job und tue alles für meine Familie, ohne etwas von meiner Familie dafür zu erwarten. Aber der Staat Österreich muss das wertschätzen, was wir Mamas tagtäglich über Jahre hinweg machen. Solche Aussagen wie Ihre missbilligen wir. Gestärkte, unterstützte Mütter braucht das Land, denn ohne Mütter würde Österreich bald nicht mehr existieren.
Katharina Steinacher, Untertweng
Erschienen am Sa, 8.8.2026
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