Das freie Wort

Wir waren einmal wer...

Wir waren einmal wer, damals, als wir noch wirklich neutral waren, in den 70er- und 80er-Jahren, in der Ära Kreisky. Die internationale Diplomatie hat uns als Friedensstifter anerkannt und geachtet. Heute sind wir bestenfalls die Gewinner des Mitläuferpreises für den vorauseilenden Gehorsam in der EU. Den letzten Rufer in der Wüste, Orbán, ist man losgeworden, Einstimmigkeit wird bald Geschichte sein und damit das Vetorecht der Kleinstaaten. Was hat man uns nicht alles versprochen, um unser Ja zu bekommen, geblieben ist, brav allen Unsinn abzunicken und Geld von uns – sogenannten Nettozahlern – einzustecken. Man erwartet von uns, alles zu schlucken, Horden von Fremden, die uns in fast allen Belangen fremd bleiben, großzügig zu ernähren – und auch noch ihre unverhohlene Verachtung von allem, was uns lieb und teuer ist, widerstandslos hinzunehmen. Wir müssen eine uns nicht wohlgesinnte, dazu ständig anwachsende Parallelgesellschaft, die uns über die Schmerzgrenze hinaus überfordert wie übervorteilt, ertragen. Dieses ganze Malheur hat noch dazu eine Unzahl an geförderten, immer fetter werdenden NGOs und auch Scharen an bestverdienenden Anwälten hervorgebracht, die prächtig von der Situation profitieren sowie fleißig unsere Zwangsjacke enger und enger schnüren. Unsere Außenministerin tourt dazu euphorisch, international durch die Länder, mit dem Ziel, unser Geld mit beiden Händen auf Gutsherrenart zu verteilen und gleichzeitig die schon mehr als ausgehöhlte Neutralität weiter zu demontieren. Wir finanzieren, trotz eigener desaströser finanzieller Lage, mit unserem sauer verdienten Steuergeld Kriege wie jenen in der Ukraine mit. Gleichzeitig warten wir vergebens auf Senkung von Steuern und Abgaben auf Arbeit. Wir spenden, gegen die Satzungen unserer Neutralität, Unsummen, die wir nicht haben, und verschulden damit die nächsten Generationen. Laut Verfassungsexperten hat sich der Begriff der klassischen Neutralität längst verabschiedet. Sie liegt praktisch in den letzten Zügen, und ob sie überhaupt noch eine Überlebenschance hat (und damit unser Leben, wie wir es bisher kannten), steht in den Sternen.

Eva Schreiber, per E-Mail

Erschienen am Di, 28.4.2026

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