Wenn ich an die 1990er-Jahre zurückdenke, sehe ich eine Welt, die es heute nicht mehr gibt. Mein Vater war damals als Fahrzeugsattler tätig. Er hatte drei bis fünf Mitarbeiter, besaß mehrere Autos, einen Schrebergarten und konnte sich durch seine harte Arbeit sogar drei Eigentumswohnungen schaffen. Alles durch ehrliche Handwerksarbeit in Österreich. Doch mit dem EU-Beitritt Österreichs änderte sich alles. Mein Vater sah damals die Lawine aus den Billig-Ländern auf uns zurollen und ging fast fluchtartig in Pension, weil er wusste, dass das Handwerk hierzulande gegen diese Konkurrenz und die neuen Regeln keine Chance mehr haben würde. Er sollte recht behalten. Heute, eine Generation später, ist vom damaligen Wohlstand nur noch der Kampf ums nackte Überleben übrig. Wir waren drei Brüder, die dieses Handwerk gelernt haben. Meine beiden Brüder haben bereits aufgegeben; sie betreiben die Sattlerei nur noch nebenbei, weil sie als Selbstständige keine Existenzgrundlage mehr sahen. Ich selbst versuche, die Fahne hochzuhalten, aber der Preis ist absurd: In meiner Werkstatt mache ich ca. 3000 Euro Umsatz im Monat. Nach Steuern, Miete und SVS bleibt so wenig, dass ich zusätzlich im WIFI unterrichten und nachts Taxi fahren muss, um überhaupt meinen Kühlschrank zu füllen und meine Rechnungen zu bezahlen. Während mein Vater damals noch von seiner Arbeit hervorragend leben und investieren konnte, frisst uns heute der Staat mit Abgaben auf. Wir schauen machtlos zu, wie die Aufträge massenhaft über die Grenzen nach Ungarn oder Tschechien abwandern. Dort kostet die Arbeit einen Bruchteil, während wir hier von der Bürokratie und der Steuerlast erstickt werden. Wenn ein Facharbeiter drei Jobs braucht, um nicht unterzugehen, während sein Vater im selben Beruf noch ein kleines Imperium aufbauen konnte, dann ist dieser Staat für uns Handwerker zum Feind geworden. Ein Schuhproduzent aus dem Waldviertel verweigert aus Protest bereits Steuern – wer kann es ihm verübeln? Wir werden nicht mehr gehört, wir werden nur noch gemolken. Wann hört die Politik endlich auf, Sonntagsreden über das Handwerk zu schwingen, während sie uns in die Armut treibt?
Michael Aichhorn, Enns
Erschienen am Do, 19.2.2026
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