Ich habe 36 Jahre in einem Milliardenkonzern Vollzeit gearbeitet und wurde wie viele andere Kollegen ebenfalls mit 58 Jahren „einvernehmlich“ entsorgt, weil unsere alten Verträge wahrscheinlich zu teuer waren und sonst keine anderen Gründe vorlagen. Dabei habe ich 43 Jahre ohne Unterbrechung in dieses System eingezahlt. Ich habe Verantwortung übernommen, Überstunden gemacht und sogar im Urlaub freiwillig gearbeitet, weil sonst niemand meine Aufgaben übernehmen konnte und ich das System aufrechterhalten wollte. Diese Art von Einsatzbereitschaft wirst du bei vielen jüngeren Mitarbeitern heute nicht mehr finden – nicht weil sie schlechter wären, sondern weil ein System, das Loyalität und Erfahrung nicht mehr wertschätzt, solche Leistungen gar nicht mehr hervorbringt. Und währenddessen predigt uns die Regierung, wir sollen bis 67 oder sogar noch länger arbeiten. Das ist weltfremd. Die Realität: Wer älter wird, wird aussortiert. Punkt. Und das, was in den Unternehmen passiert, hat System – es ist kein Zufall, kein Einzelfall, sondern ein Muster, das sich überall wiederholt. Die Arbeitslosenzahlen zeigen genau, dass – auch wenn man es politisch nicht hören will. Statt ständig das Pensionsantrittsalter weiter hinaufzusetzen, sollte die Regierung endlich dafür sorgen, dass Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet und eingezahlt haben, überhaupt bis zum regulären Pensionsalter im Job bleiben können. Wer jahrzehntelang gearbeitet, eingezahlt und Loyalität gezeigt hat, wird am Ende wie Ballast behandelt. Diese Realität taucht in keiner politischen Rede auf, weil sie nicht ins gewünschte Bild passt.
Horst Hrubischek, Hengsberg
Erschienen am Do, 4.6.2026
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