Wenn man den politischen Verantwortlichen zuhört, könnte man glauben, in Österreich sei alles in bester Ordnung. Die Realität vieler Menschen sieht jedoch anders aus. Wer jeden Morgen aufsteht, arbeiten geht, Überstunden macht und seine Steuern zahlt, hat zunehmend das Gefühl, dass er der Dumme ist. Während die Preise für Wohnen, Energie, Lebensmittel und viele andere Dinge des täglichen Lebens ständig steigen, werden Arbeitnehmer immer stärker belastet. Jede neue Gebührenerhöhung, jede zusätzliche Abgabe und jede bürokratische Hürde trifft vor allem jene, die das System finanzieren: die arbeitende Bevölkerung. Gleichzeitig entsteht bei vielen Menschen der Eindruck, dass Leistung immer weniger zählt. Wer arbeitet, soll immer mehr bezahlen, während andere Leistungen beziehen, ohne denselben Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten. Ob dieser Eindruck im Einzelfall immer gerechtfertigt ist, spielt dabei fast keine Rolle – entscheidend ist, dass immer mehr Bürger ihn teilen. Auch unser aufgeblähter Föderalismus verschlingt Unsummen. Neun Bundesländer, zahllose Behörden, Doppelgleisigkeiten und eine Bürokratie, die ständig wächst. Bezahlen dürfen das am Ende wieder jene, die jeden Monat ihren Lohnzettel in die Hand bekommen. Österreich ist ein schönes Land mit vielen Stärken. Aber die Menschen haben genug davon, ständig erklärt zu bekommen, wie gut es ihnen angeblich geht, während sie Monat für Monat weniger Geld in der Tasche haben. Wer die Sorgen der arbeitenden Bevölkerung ignoriert, darf sich nicht wundern, wenn Frust und Politikverdrossenheit wachsen. Arbeit muss sich lohnen. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Leider gewinnt man immer öfter den Eindruck, dass genau dieses Prinzip in Österreich verloren geht.
Mike Payer, Neusiedl am See
Erschienen am Do, 4.6.2026
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