Das ORF-Sommergespräch mit Leonore Gewessler zeigte vor allem eines: Die ehemalige „Super-Ministerin“ versteht es meisterhaft, Verantwortung zu verschieben, Probleme umzudeuten und die eigene Rolle ins beste Licht zu rücken. Wer eine schonungslose Bilanz der grünen Regierungsarbeit erwartete, wurde enttäuscht. Statt einer ehrlichen Analyse der Fehler während der schwarz-grünen Koalition bot Gewessler eine rhetorische Nebelwand: Wirtschaftskrise, Inflation, Wohnungsmisere – schuld sind immer andere, am liebsten der Finanzminister. Eigene Versäumnisse werden allenfalls am Rande eingestanden und sofort in „Erfolge durch Kompromisse“ umgedeutet. Das mag politisch klug sein, hat aber mit echter Selbstkritik wenig zu tun. Besonders irritierend ist die Diskrepanz zwischen ihrer Selbstwahrnehmung und der öffentlichen Wahrnehmung: Sie hält sich für kompromissfähig, Umfragen sehen sie als stur. Sie spricht von Bürgernähe, weicht aber kritischen Detailfragen konsequent aus. Und während sie das grüne Image als „Verbotspartei“ loswerden will, liefert sie kaum neue Ideen, die tatsächlich Vertrauen zurückgewinnen könnten. Dass Gewessler die Aufstockung des Bundesheeres mit moralischen Argumenten verteidigt, ist bemerkenswert – vor allem, weil es einen deutlichen Bruch mit der pazifistischen Tradition ihrer Partei darstellt. Auch hier gilt: Kein offenes Eingeständnis einer politischen Kursänderung, sondern ein geschicktes Reframing als moralische Notwendigkeit. Das Gespräch offenbarte weniger eine Politikerin, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat, als vielmehr eine, die ihr rhetorisches Handwerkszeug nutzt, um unangenehme Wahrheiten zu umschiffen. Ob das reicht, um als Oppositionsführerin glaubwürdig und wirksam zu sein, darf man getrost bezweifeln.
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