Es ist schwer nachvollziehbar, welche Prioritäten derzeit in der österreichischen Sozial- und Arbeitsmarktpolitik gesetzt werden. Während mit der sogenannten „Aktivpension“ gezielt Anreize geschaffen werden, damit ältere Menschen freiwillig länger im Erwerbsleben bleiben – inklusive eines steuerlichen Freibetrags von 15.000 Euro jährlich –, bleiben jene weitgehend unberücksichtigt, die aus gesundheitlichen Gründen früh aus dem Arbeitsleben gedrängt wurden, aber dennoch arbeiten wollen. Ein besonders bedrückendes Beispiel ist eine mir bekannte junge Dialysepatientin, die auf eine Spenderniere wartet und sich in Invaliditätspension befindet. Ihr Gesundheitszustand erlaubt es ihr phasenweise durchaus, einer Beschäftigung nachzugehen – nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch für ihre persönliche Stabilität und Lebensqualität. Doch die derzeitige Zuverdienstgrenze von rund 551 Euro monatlich setzt hier enge Grenzen. Wer darüber hinaus arbeitet, muss Kürzungen bei der ohnehin niedrigen Pension in Kauf nehmen. Gerade für junge Menschen in einer solchen Situation wäre es jedoch entscheidend, schrittweise wieder in ein aktiveres Arbeitsleben zurückfinden zu können – angepasst an den individuellen Gesundheitsverlauf. Stattdessen werden sie durch starre Regelungen ausgebremst. Das führt nicht nur zu finanziellen Schwierigkeiten, sondern auch zu sozialer Isolation und Perspektivlosigkeit. Dass Betroffene in manchen Fällen sogar gezwungen sind, ihre Wohnung aufzugeben, ist ein alarmierendes Signal. Es stellt sich daher die Frage: Warum wird bei jenen gespart, die unverschuldet krank sind und Motivation zeigen, sich wieder einzubringen? Eine Anhebung der Zuverdienstgrenze für Menschen in krankheitsbedingter Frühpension wäre ein sinnvoller und längst überfälliger Schritt. Sie würde Eigeninitiative fördern, statt sie zu bestrafen, und könnte langfristig sogar zu einer stärkeren Reintegration in den Arbeitsmarkt beitragen. Sozialpolitik sollte nicht nur verwalten, sondern auch ermöglichen. Wer arbeiten will, sollte das auch dürfen – ohne existenzielle Nachteile befürchten zu müssen.
Mike Payer, Neusiedl am See
Erschienen am So, 19.4.2026
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