Anna Netrebko, die in ihrer guten Zeit zweifellos weltbeste Sopranistin war, „bleibt Russin“ und bekennt sich zu diesem Land, hat aber seit langem einen österreichischen Pass. Diese Einstellung steht stellvertretend für Einbürgerungen: Man kann zwar Dokumente wechseln wie Hemd und Hosen, nicht aber Herkunft und Einstellung zu ethnischer Zugehörigkeit. Staatsbürgerschaften sind keine Bekenntnisse zum Zielland, sondern werden pragmatisch für persönliche Vorteile angenommen, und da stellt sich aus Sicht des Staates die Frage der Sinnhaftigkeit inflationärer Zutrittserleichterungen.
Mag. Martin Behrens, Wien
Erschienen am Di, 7.6.2022
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