Selbst die Corona-Pandemie scheint nicht herausfordernd genug, um den nationalen Schulterschluss zu ermöglichen. Es gibt anscheinend keine Situation oder Gefahr, die bedrohlich genug ist, um alle Kräfte und alles Wissen des Landes zu bündeln und dann abgestimmt zu handeln. Keine politische Partei scheint willens, Parteiinteressen zurückzustellen und mit vereinten Kräften gegen die Pandemie vorzugehen. Sogar in der Regierungskoalition treten persönliche Rivalitäten offen zutage, und unklare Strukturen schwächen das Krisenmanagement. Die Opposition wiederum übt sich, bis auf wenige persönliche Ausnahmen, ausschließlich im destruktiven Kritisieren und ruft auf der Straße sogar zum Widerstand auf. Für die Bundesländer haben regionale Interessen Vorrang, und machtbewusste Ortskaiser oder Spartenvertreter versuchen, Beschränkungen angepasst umzusetzen. Ebenso gelingt es manchen Regionalpolitikern nicht, an der Bühne der Selbstinszenierung und Besserwisserei vorbeizugehen. Viele Menschen in unserem Land sind immer noch nicht bereit, wissenschaftlich gestützte Fakten und Zahlen zu akzeptieren und zu erkennen, dass es um Menschenleben geht. Jetzt ist der absolut falsche Zeitpunkt für Unstimmigkeiten, persönliche Inszenierung oder Besserwisserei. Nur ein nationaler Schulterschluss aller Kräfte wird dieser Pandemie ein rasches Ende bereiten. Für erkennbares parteipolitisches Taktieren mit ständigem Blick auf Umfragewerte haben die Menschen kein Verständnis. Ebenso wenig für die Eigenbrötelei oder Rivalität mancher staatlicher Organisationen oder ziviler Hilfsorganisationen. Die Menschen erwarten nun eine gemeinsame Kraftanstrengung ohne Befindlichkeiten und möglichst rasch flächendeckende Impfungen, um endlich wieder zu normalen Lebensverhältnissen zu kommen. Es ist dringend notwendig, einen längst überfälligen nationalen Schulterschluss zu vollziehen und alle verfügbaren Kräfte und Mittel zu bündeln, damit die Pandemie ein baldiges Ende hat.
Franz Peer, Linz
Erschienen am Fr, 2.4.2021
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