Bis zum Wahlsonntag hält eine fünfköpfige Künstlergruppe „Schandwache“ vor der Lueger-Statue in der Wiener Innenstadt. Die Aktivisten wollen verhindern, dass die bestehenden Schmierereien und Verunstaltungen vom Denkmal des vor 110 Jahren verstorbenen Bürgermeisters entfernt werden. Ihre Wache erachten sie als ein Zeichen gegen Antisemitismus und Geschichtsvergessenheit. Ginge es ihnen um Ausgeglichenheit in der Geschichtsbewältigung, müssten sie zur Stalin-Gedenkstätte nach Wien-Meidling weiterziehen. Dort gibt es eine Marmortafel mit dem Porträt des Massenmörders auf der Hauswand der Schönbrunner Schloßstraße Nummer 30. Sie werden es nicht tun, denn heimische Künstler sind mehrheitlich auf dem linken Auge blind.
Dr. Wolfgang Geppert, Wien
Erschienen am Fr, 9.10.2020
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