Der jüngste Fortschrittsbericht der EU-Kommission stellt der Türkei ein schlechtes Zeugnis hinsichtlich ihrer Beitrittsfähigkeit aus. Lapidar wird davon gesprochen, dass sich die Türkei immer weiter weg von Europa entwickle. Man erinnere sich, dass es vor rund 15 Jahren – zu Beginn der Beitrittsverhandlungen – einmal eine Türkei gab, in die wir massenhaft reisten, um dort unsere Urlaube sorglos genießen zu können. Das Land hatte damals zweistellige Zuwachsraten in der Wirtschaft, und von einer durchgreifenden Islamisierung war noch nichts zu merken. Kein Krieg wurde in Libyen geführt, keiner in Syrien und auch keiner in Berg- Karabach. Und auch keine militärischen Drohgebärden der Türkei rund um das EU-Land Zypern gab es damals. Leider ist von der damaligen Türkei nichts mehr übrig, da Herr Erdoğan dieses Land mittlerweile in eine allseits zündelnde und provozierende Autokratie umgewandelt hat, der niemand mehr trauen kann und vor der sich die unmittelbaren Nachbarn Griechenland und Zypern zunehmend fürchten. Die Opposition wird unterdrückt, kritische Medien sind verboten worden, und die Unabhängigkeit der Justiz ist längst Geschichte. Als Resultat dieser zunehmenden Unberechenbarkeit der Türkei versinkt auch deren Wirtschaft im Chaos, und die türkische Lira kann mittlerweile getrost als Junk-Währung bezeichnet werden. Die Frage, die sich sehr, sehr viele Menschen in der EU tagtäglich stellen, ist jene, wie lange eigentlich noch wegen eines ohnehin nie stattfindenden EU-Beitritts der Türkei weiterverhandelt werden soll? Geht es da um lukrative Jobs in den Verhandlungsteams, die so mancher nicht verlieren möchte? Oder worum geht es? Wir Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union haben das Recht, endlich zu erfahren, warum immer noch weiterverhandelt wird!
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