Moral, ein Wort, das dem heutigen Zeitgeist nicht mehr entspricht. Wenn Menschen mit Macht und Vorbildwirkung ihrer Aufgabe nicht mehr nachkommen, darf man sich über den moralischen Verfall von Kindern und Jugendlichen nicht wundern. Anschaulich gezeigt haben das Mitglieder der ihres Zeichen größten Schülerorganisation, der ÖVP-zugehörigen Schülerunion. Aus einer internen Gruppe dieser Schülerunion, die auch seit 20 Jahren den Bundesschulsprecher für 1,2 Millionen Schüler stellt, kamen Chats ans Licht. Da heißt es z. B.: „A Frau ohne Brüste ist wertlos“, „I geh als SS-Offizier bei da Party dann“, „Desto mehr ein Tier leidet, desto besser schmeckt das Essen“. Nicht nur die Verrohung der Sprache, auch die Verrohung im realen Alltag ist erschreckend und darf weder verharmlost noch toleriert werden! Sich aber mit Maßnahmensetzung da an die Politik zu wenden, hieße den Bock zum Gärtner machen. Die Damen und Herren im Parlament leben doch täglich vor, wie unwürdige Vergleiche, hasstriefende Reden und untergriffige Bemerkungen anscheinend zum „guten Ton“ gehören – und da nehme ich keine Partei aus. „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füg auch keinem andern zu.“ Dieser und ähnliche Sprüche waren früher richtungsweisend, heute lachen viele darüber. Ich will mir gar nicht vorstellen, was aus diesen Schreiberlingen mal wird. Noch furchtbarer ist die Vorstellung, wenn diese dann vielleicht in der Politik an den Schalthebeln der Macht sitzen. Ich war mein Leben lang noch nie so froh, dass ich schon alt bin und diese Zukunft wahrscheinlich nicht mehr erleben werde.
Helga Reiter, Linz
Erschienen am Mi, 1.7.2026
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