Ganze 21 Prozent hat die einst langjährig staatstragende Partei bei den letzten Nationalratswahlen an Stimmen erreicht und damit das schlechteste Ergebnis aller Zeiten eingefahren. Nahezu unüberwindliche interne Ideologiegräben haben dem Wahlvolk den Eindruck vermittelt, dass mit dieser Partei derzeit kein Staat zu machen ist. Eine unbegreifliche Weltfremdheit brennenden Themen des 21. Jahrhunderts gegenüber und ein ewiges Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen für politische Großleistungen des 19. Jahrhunderts vermitteln weder Kompetenz noch die Bereitschaft, Menschen des 21. Jahrhunderts wirklich genau zuzuhören. Von notwendigem radikalem Neudenken wird jetzt in der SP vermehrt gesprochen. Doch was heißt radikal? Zurück zu den Wurzeln, die vor 130 Jahren ausgeschlagen hatten? Also Klassenkampf und sozialistische Revolution, die die Besitzenden zu Verlierern abstempeln sollen und auf der Suche nach einer längst verschwundenen Arbeiterklasse eine vollkommene Neudefinition dieser Spezies finden und pflegen muss? Oder doch mehr ein Ruck nach rechts, um jene Probleme zu adressieren, die bis dato nur von VP und FP themenmäßig beherrscht worden sind? Radikal und tabulos soll es werden, was auch nachhaltiges Abschiednehmen von ideologischer Arroganz bedeutet. Dann sollte die SP vielleicht wirklich neu gegründet werden – mit einem vollkommen anderen Organisationskonzept und der tabulosen Adressierung sämtlicher Themen, mit denen sich das Wahlvolk so tagtäglich in der freien Wildbahn auseinanderzusetzen hat.
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