Bevor es jedoch losgehen kann, muss verkabelt werden: Zwei LED-Sensoren wollen ober- oder unterhalb des Fernsehers befestigt und per USB mit der Konsole verbunden werden. Die Installation ist denkbar einfach und dürfte selbst technisch weniger versierte Personen vor keinerlei Herausforderung stellen. Zu guter Letzt muss nur noch der neue "G-Con 3"-Controller, jene leuchtend orange Pistole, mit der später auf den Bildschirm geballert wird, angeschlossen werden.
Warum Sony in Zeiten des drahtlosen Sixaxis-Controllers auf eine kabelgebundene Lösung setzt, ist nicht ganz verständlich. Für all jene Gamer, die mehrere Meter Luftraum zwischen Sofa und Konsole zu überbrücken haben, gilt es also unter Umständen näher heranzurücken. Ebenfalls ungut fällt auf, dass "Time Crisis 4" einem flüssigeren Ablauf zuliebe rund 2,5 Gigabyte Daten auf die Festplatte auslagern möchte. Wer diesem Vorschlag nicht Folge leistet, hat mit längeren Ladezeiten und kleineren Rucklern zu kämpfen.
Die Pistole selbst liegt zumindest für Rechtshänder gut in der Hand. Insgesamt stehen zwei Analog-Sticks - einer am hinteren Ende des Pistolenlaufs, einer an einem linksseitig angebrachten "Anbau" am vorderen Ende des Laufs - sowie acht Buttons zur Verfügung. Welche Knöpfchen wann betätigt werden müssen, hängt maßgeblich vom gewählten Spielmodus ab.
Neben dem klassischen Arcade-Shooter-Modus, in dem der Spieler auf vorgeschriebenen Pfaden automatisch durch den Level gelotst wird und sich ansonsten vornehmlich aufs Ballern zu konzentrieren hat, steht nämlich erstmals auch ein nach typischer Egoshooter-Manier gestrickter "FPS"-Modus zur Auswahl. Hierbei schlüpft der Spieler in die Rolle von Captain William Rush, ein Spezialagent, der in einer eher unspannend erzählten Geschichte dem Geheimnis einer mysteriösen Biowaffe auf den Grund zu gehen hat. Gehen ist hier sprichwörtlich zu verstehen, denn im Gegensatz zum Arcade-Modus kann man sich über weite Strecken frei durch die Level bewegen und mit Pistole, Maschinengewehr, Schrotflinte oder Granaten ausgiebig auf Terroristen-Hatz gehen.
Zeit, die man im Arcade-Modus definitiv nicht hat, denn hier gilt es jeden Abschnitt innerhalb einer vorgegeben Zeit zu "säubern". Gelingt dies nicht, verliert der Spieler sukzessive Leben, bis es letzten Endes "Game Over" heißt. Auch in diesem Modus nimmt man den Kampf gegen die geheimnisvolle neue Biowaffe auf, diesmal jedoch in Gestalt der Helden Giorgio Bruno oder Evan Bernard – je nachdem, ob man alleine oder zu zweit spielt. Ein weiterer Unterschied zum freien Modus: Munition wird nicht eingesammelt, sondern muss sich "er-schossen" werden. Widersacher sind zu diesem Zweck gelb gekennzeichnet - wer einen dieser Kameraden trifft, darf sich über Nachschub freuen.
Leider ist der Arcade-Spaß jedoch nur von kurzer Dauer. Nach gerade einmal fünf Leveln und einer Stunde Spielzeit dürften Profis den "Arcade-Mode" beendet haben. Glücklicherweise hält der Titel neben dem bereits erwähnten freien Modus jedoch noch insgesamt 18 Minispiele, in denen auf allerlei Tontauben, Zielscheiben und ähnliches geballert werden darf, sowie die "Crisis Missions" parat. Letztere führen den Spieler nach positiver Absolvierung des Arcade-Modus zurück an die bekannten Schauplätze, diesmal jedoch mit anderen Missionszielen, die eine schnelle Reaktionszeit und Treffvermögen abverlangen.
In technischer Hinsicht ist "Time Crisis 4" ein zweischneidiges Schwert. Während die klassischen Arcade-Level nämlich mit oftmals tollen Kamerafahrten, einer dramatischen Inszenierung und vielen netten Explosionen begeistern können, wirkt vor allem die Levelarchitektur des freien Modus ein wenig spartanisch, ja fast schon trist. Selbiges gilt für Musik und Soundeffekte, die insgesamt eine Spur zu verhalten aus den Boxen schallen.
Fazit: Hätte man sich nur auf den Arcade-Teil konzentriert, "Time Crisis 4" wäre womöglich ein toller Titel geworden. Stattdessen präsentiert man dem Spieler jedoch einen mäßig spannenden, nicht gerade leicht zu steuernden Egoshooter-Part und lässt den Arcade-Part mit nur einer Stunde Spielzeit äußerst knapp ausfallen. Die grafische Aufmachung bleibt dabei über weite Strecken hinter den Möglichkeiten der PS3. Minispiele und die "Crisis Missions" schaffen jedoch einen Wiederspielwert, der zumindest Fans der Serie zufrieden stellen dürfte. Alle anderen sollten aufgrund des doch eher zünftigen Anschaffungspreises von rund 80 Euro vorsichtshalber Probe spielen – und unbedingt vorher messen, ob das USB-Kabel des Controllers auch bis zum Sofa reicht.
Plattform: PS3
Publisher: Sony/ Namco
Krone.at-Wertung: 76%
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