Skandal in Italien

Handel beruhigt: Weine regelmäßig kontrolliert

Ausland
16.04.2008 11:02
Nach dem Skandal um einen Chemikalien-Cocktail im italienischen Wein und gepanschten "Brunello di Montalcino" müssen sich die österreichischen Weinliebhaber keine Sorgen machen. Zumindest was den Brunello betrifft. Bei einem APA-Lokalaugenschein in den heimischen Supermärkten, die italienische Weine verkaufen, zeigte sich immer das gleiche Bild: Der betroffene Tropfen war nicht im Sortiment, und wenn, wurde er herausgenommen. Zudem werden regelmäßig Proben gezogen, um die vom italienischen Händler versicherten Qualitäten zu garantieren.

Vier italienische Winzer stehen unter Verdacht, den kostbaren Saft aus der örtlichen Sangiovese-Traube mit billigeren und leichteren Rebsorten verschnitten zu haben. Bereits vor zwei Wochen hatte das italienische Wochenmagazin "L'Espresso" einen Weinskandal aufgedeckt. Rund 70 Millionen Liter Billigwein, die in Geschäften und Supermärkten in ganz Italien zum Verkauf stehen, sollen mit krebserregenden Stoffen wie chemischen Düngemitteln und Salzsäure versetzt sein.

Der Brunello muss zu 100 Prozent aus der Rebsorte Sangiovese hergestellt werden. Einige Winzer, gegen die jetzt ermittelt wird, sollen noch Wein aus anderen Rebsorten in ihren Brunello gemischt haben. Damit habe der eher herbe Brunello einen runderen Geschmack erhalten, der für amerikanische Gaumen etwas lieblicher wirkt. Ein Viertel der Jahresproduktion von 6,8 Millionen Flaschen wird nämlich in den USA verkauft.

Österreichische Handelsunternehmen sehr vorsichtig
Das Handelsunternehmen Rewe Austria - u.a. Billa und Merkur - testet seine Weine regelmäßig, versicherte Sprecherin Corinna Tinkler. "Wir haben Proben gezogen und kontrolliert. Derzeit gibt es aber keine Anhaltspunkte." Sollte es diese geben, werde man die Kunden informieren und den Wein aus dem Regal nehmen, so Tinkler. Die beiden Lieferanten der umstrittenen Marke Brunello gehören nicht zu den "Schwarzen Schafen". "Sie haben bestätigt, dass der Wein zu 100 Prozent aus der Sangiovese-Traube stammt", sagte die Sprecherin.

Auch bei Spar hat man sofort nach Bekanntwerden des italienischen Weinskandals Kontrollen durchgeführt, ob das Sortiment in Ordnung ist, so Sprecherin Nicole Berkmann.

Bei Wein & Co führte man zwar den Brunello eines der betroffenen Herstellers, Frescobald. Der Lieferant ließ zwar wissen, dass es sich bisher nur um Vorwürfe handle, es aber keine Beweise gebe, sagte Sprecherin Birgit Edtbauer. "Wein & Co müsste bis zur Klärung den Wein nicht aus dem Sortiment geben, hat es aber freiwillig getan."

Bereits 600.000 Flaschen beschlagnahmt
600.000 Flaschen Brunello haben die Ermittler in Italien bereits beschlagnahmt. In den Sog der Ermittlungen sind international bekannte Winzer geraten. Die namhafte Weinkellerei Antinori hat seinen Jahrgang 2003 gleich selbst blockiert. Vom Brunello di Montalcino, der neben dem Chianti Classico in vielen Teilen der Welt als Inbegriff italienischen Weins gilt, werden jedes Jahr knapp sieben Millionen Flaschen produziert, die meisten für den Export. 247 Produzenten erwirtschaften mit dem Brunello einen Jahresumsatz von 120 Millionen Euro.

Schwere Zeiten für Landwirtschaftsminister De Castro
Der italienische Landwirtschaftsminister Paolo De Castro zeigte sich wegen des neuen Imageschaden für Produkte des "Made in Italy" besorgt. Erst vor drei Wochen hatte die EU Italien damit gedroht, die Einfuhr von Mozzarella aus Büffelmilch zu verbieten, nachdem in der Region Kampanien rund um Neapel bei Stichproben erhöhte Werte von Dioxin gefunden worden waren. Dort werden jetzt insgesamt 400 Käsereien überprüft.

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