Viel ist im Vorfeld gesagt und geschrieben worden. Neue Maßstäbe sollen mit dem Kult-Racing-Titel auf der PS3 gesetzt werden. Als Erstes lernt sich der Spieler aber in Geduld zu üben. Wie schon bei etlichen anderen PS3-Titeln der letzten Zeit auch, wird hier zuerst mal kräftig auf der Festplatte installiert. Keine erfreuliche Entwicklung, denn im Gegensatz zu den PC-Spielen war dies bis dato einer der großen Pluspunkte der Konsolen.
Beim Start des Spiels setzt es dann gleich die nächste Wartepause. Ein Update, das bereits verfügbar ist, will auch noch heruntergeladen und installiert werden. Damit ist es dann - endlich - geschafft und die bereits ungeduldig zitternden Spielerhände dürfen sich an die ersten Runden im neuen "Gran Turismo" wagen.
Zuerst muss natürlich ein passender fahrbarer Untersatz her. Das eigene, relativ kleine Budget lässt noch keine großen Sprünge zu. Die Wahl fällt schlussendlich auf einen sportlichen Italiener, den Alfa 147. Als Farbe kommt in diesem Fall natürlich nur das typische Rosso Alfa in Frage. Insgesamt 70 weitere Fahrzeuge warten darauf, über die Kurse geheizt zu werden. Einige der Modelle können allerdings erst im späteren Spielverlauf, nachdem einige Rennklassen erfolgreich absolviert wurden, erworben werden. Zum ersten Mal dabei ist auch die Kultmarke mit dem schwarzen Pferd im Wappen. Jetzt fehlt eigentlich nur mehr die Lizenz des deutschen Sportwagenbauers Porsche, die aber an anderer Stelle vergeben ist. Der Freude am reichhaltigen Fahrzeugangebot tut dies jedoch keinen Abbruch.
Für das erste Hineinschnuppern soll die Arcade-Variante herhalten. Im Gegensatz zum Karrieremodus gibt es kein Geld für erfolgreiche Rennen. Dafür dürfen im Drift-Modus die Flitzer an die Grenzen der Physik gebracht werden. Bei der Streckenauswahl folgt dann die erste kleine Enttäuschung: Nur sechs Kurse stehen zur Auswahl. Zumindest die doppelte Anzahl hätte es, auch in der "Prologue"-Fassung, schon sein dürfen.
Jetzt aber raus auf die Strecke. Die Grafik sticht sofort ins Auge. In noch nie dagewesenem Detailreichtum flitzen die Karossen über die Strecke. Vor allem der Londoner Stadtkurs und die Bergstrecke "Eiger Nordwand" spielen alle Stückerln. Der Replay-Modus setzt dem ganzen die Krönung auf: Fast fotorealistisch präsentieren sich die Wiederholungen. Wie schon damals bei der ersten Playstation-Version sitzt man mehrere Minuten verzückt vor dem Schirm und verfolgt das eigene Rennen.
Bei der Soundkulisse dominieren, neben den verschiedenen erstklassigen Motorensounds, die Abrollgeräusche der Reifen sowie das Rauschen des Fahrtwindes. Ein weiteres Highlight also, das den Eindruck vermittelt, tatsächlich in einem der Wagen zu sitzen.
Die Steuerung lässt eine äußerst präzise Linienführung zu, wobei dies mit dem Playstation-Controller nicht immer ganz so einfach ist. Besitzer eines Lenkrades werden sich da etwas leichter tun.
Ein weiterer negativer Punkt ist das nach wie vor fehlende Schadensmodell, auch wenn verständlich ist, dass es die Hersteller nicht gerne sehen, wenn sich ihr Modell fachgerecht nach einem Crash in alle Teile zerlegt. Nicht ganz so toll ist auch, wie bereits bei den Vorgängern, die KI der Gegner, die die Kontrahenten einfach stur ihre Runden auf den vorgegebenen Linien ziehen lässt. Dieser Schwachpunkt sollte bis zum Release der finalen Version noch unbedingt ausgemerzt werden.
Doch warum soll man sich mit der CPU als Gegner begnügen? 16 menschliche Spieler dürfen gleichzeitig online gegeneinander antreten - da macht das Rennfahren gleich noch mal so viel Spaß. Alle Rowdys und Schummler seien gewarnt: Rempler und Abkürzer werden mit empfindlichen Zeitstrafen belegt, die einen Sieg unmöglich machen.
Wer in diesem Artikel bis jetzt die Tuning-Möglichkeit vermisst hat, sei beruhigt. Nach der Absolvierung der untersten Rennklassen darf auch wieder an Getriebe, Bremsen etc. getüftelt und geschraubt werden, um das eine oder andere Zehntel noch herauszuholen.
Fazit: "Gran Turismo 5 Prologue" erfüllt fast alle Erwartungen. Tolle Grafik, eine herausragende Soundkulisse sowie eine exzellente Steuerung sorgen für reichlich Glücksgefühle. Schade, dass es nur für diese stark abgespeckte Version gereicht hat. Auch der etwas geringere Verkaufspreis kann darüber nicht ganz hinwegtrösten.
Plattform: PS3
Publisher: Sony
Krone.at-Wertung: 90%
von Harald Kaplan
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