Durch Mark und Bein

Condemned 2

Spiele
11.04.2008 17:41
Wie viel Gewalt verträgt ein Computerspiel (und dessen Spieler)? Im Fall von Segas "Condemned" lässt sich diese Frage recht leicht beantworten: Wegen "unmenschlicher und grausamer Gewaltdarstellung", der "Glorifizierung von Selbstjustiz und Gewaltanwendung" und der "Unvereinbarkeit der Spielinhalte mit den geltenden Normen eines geregelten Zusammenlebens" wurde der Titel nach einem Gerichtsbeschluss in Bayern im Februar dieses Jahres deutschlandweit beschlagnahmt. In Österreich sieht man das bislang etwas lockerer, weshalb sowohl Teil eins als auch der frisch erschienene und nicht minder gewalttätige Nachfolger ab 18 frei erhältlich sind.

Protagonist in Teil zwei ist abermals FBI-Agent Ethan Thomas, der sich nach den Ereignissen des ersten Teils allerdings vermehrt dem Suff statt seiner Arbeit gewidmet hat. Die Schatten der Vergangenheit holen ihn jedoch ein, weshalb er kurzerhand wieder in den Dienst beordert wird, um einen Serienkiller ausfindig und nebenbei eine ganze Reihe durchgeknallter Psychos unschädlich zu machen. 

Um das zu bewerkstelligen, kann nahezu jeder Gegenstand als Waffe benutzt werden - vom Bettpfosten bis zur Klobrille. Auch diverse Schießprügel haben wieder ihren Weg ins Spiel gefunden, da Munition getreu den Prinzipien des Survival-Horror-Genres jedoch ein knappes Gut ist, sollte man sich nicht allzu sehr an diesen Luxus gewöhnen. Treue und im Gegensatz zu diversen Objekten unzerbrechliche Begleiter sind ja immer noch die eigenen Fäuste, die mit den beiden Triggern abwechselnd zum Schlag ausholen.

Werden beide Trigger gleichzeitig gedrückt, können Schläge geblockt und ein Konter eingeleitet werden. Dieser mündet schließlich in einer Nahansicht-Zeitlupensequenz, in der durch richtiges Drücken der angezeigten Buttons das jähe Ende des Gegners eingeläutet wird. Auch Finishing-Moves, bei denen der Widersacher schmerzvoll erfahren muss, dass sich die eigene Schädeldecke etwa nicht mit der Mattscheibe eines Fernsehgeräts verträgt, werden geboten. Das alles klingt nicht nur brutal, sondern ist es auch - vor allem deshalb, weil diese rohe und nackte Gewalt - nicht zuletzt auch wegen einer hervorragend inszenierten Ego-Perspektive - besonders real wirkt.

Aber "Condemned 2" besteht nicht nur aus Mord und Totschlag, sondern bietet zwischendurch auch immer wieder kleinere Rätseleinlagen. Schließlich hat Ethan als FBI-Agent einen Auftrag zu erfüllen. Ein UV-Licht, Digicam und andere Gadgets sind ihm bei der Spurensuche und Beweisaufnahme behilflich. In einem Frage-Antwort-Spiel mit der Zentrale gilt es schließlich wichtige Hinweise zu ermitteln, um am Ende eines jeden Levels eine gute Benotung zu erhalten. Je besser die gemachten Angaben sind, umso besser auch die Belohnung für Ethan - sei es ein Schlagring oder etwa eine schusssichere Weste.

Neben dem zugegebenermaßen zwar netten, aber nicht überragenden Gameplay ist es jedoch vor allem die dichte Atmosphäre, die "Condemned 2" auszeichnet. Wer auf Schockmomente steht, ist hier bestens aufgehoben; wer sich hingegen bereits bei "Charmed" oder "Buffy" in die Hosen macht, kein Blut sehen kann und vor allem Angst im Dunkeln hat, ist hier definitiv fehl am Platz. 

Denn: "Condemned 2" spielt über weite Strecken in nahezu totaler Dunkelheit. Der Schein der eigenen Taschenlampe hält zwar unbegrenzt, reich aber nicht aus, um die an sich detailverliebt gestalteten Level in strahlendes Licht zu tauchen. Die Präsentation versinkt somit ein wenig in der Dunkelheit pechschwarzer und grauer Texturen. Voll und ganz punkten kann der Titel hingegen mit einer musikalischen Untermalung, die das Blut in den Adern gefrieren lässt und für kalte Schauer auf dem Rücken sorgt. Auch die Dialoge können überzeugen. Spieler müssen allerdings mit einer englischen Synchronisation samt englischen Untertiteln vorlieb nehmen. Kein Wunder, hat der Titel in Deutschland ja auch keine USK-Freigabe.

Auch eine Multiplayer-Variante hält "Condemned 2" schlussendlich parat. Neben einer Deathmatch- und einer Team-Deathmatch-Variante stehen zwei weitere Modi bereit. Während in "Bum Rush" unter Aufgebot aller Kräfte eine Stellung gehalten werden muss, gilt es in "Crime Scene" einen Mord zu klären, während das gegnerische Team die Spuren zu vernichten versucht.

Fazit: "Condemned 2" ist aufgrund seiner offensiven Gewaltdarstellung keine leichte Kost und daher auch definitiv nur für Erwachsene geeignet. Die bekommen dann allerdings ein spannend erzähltes und sowohl technisch als auch audiovisuell sehr gut umgesetztes Horror-Spielchen aufgetischt.

Plattform: PS3 (getestet), Xbox 360
Publisher: Sega
Krone.at-Wertung: 85%


von Sebastian Räuchle

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