Stacheldraht

Ägypten riegelt Grenze zum Gazastreifen ab

Ausland
03.02.2008 19:37
Ägypten hat am Sonntag den letzten Durchbruch in der Grenzbefestigung zum Gazastreifen mit Stacheldraht und Metallabsperrungen abgeriegelt. Nach Angaben aus ägyptischen Sicherheitskreisen stoppten Einsatzkräfte entlang der Grenze zudem den Strom der palästinensischen Flüchtlinge nach Ägypten.

Hunderte Palästinenser auf ägyptischem Gebiet würden in Kürze in den Gazastreifen zurückkehren. Ein Vertreter der radikal-islamischen Hamas sagte, die Schließung der Grenze verlaufe problemlos und ohne Gewalt ab. Es werde jedoch vermutlich bis zu 48 Stunden dauern, bis sich die Lage normalisiere.

Die Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten war offen, seitdem die Hamas vor elf Tagen Löcher in den Grenzwall gesprengt hatte, um eine israelische Blockade des Gebiets zu durchbrechen. Tausende Palästinenser strömten in das Nachbarland, um sich dort mit Waren einzudecken. 

„Die Sache ist vorbei“
"Die Sache ist vorbei. Wir kamen hierher um Zigaretten einzukaufen und sie dann wieder zu verkaufen und waren überrascht, dass die Tore vor unseren Augen geschlossen wurden", sagte nun ein Bewohner aus Gaza. Die radikal-islamische Hamas, die im Juni gewaltsam die Macht im Gazastreifen übernahm, hatte bei Gesprächen mit der ägyptischen Regierung eine zentrale Rolle bei den Grenzkontrollen zum Nachbarland gefordert. Eine offizielle Einigung in der Angelegenheit kam jedoch nicht zustande.

Die Hamas-Organisation strebt eine wirtschaftliche Loslösung des Gazastreifens von Israel an. Ein Berater des Hamas-Führers Ismail Haniyeh sagte am Sonntag, man wolle stattdessen eine stärkere Anbindung an arabische und islamische Länder. "Gaza muss aufhören, Israel wirtschaftlich untergeordnet zu sein", erklärte Ahmed Yussef am Sonntag vor Journalisten in Gaza. Man dürfe sich ökonomisch nicht erpressen lassen. Dies bedeute jedoch keine Trennung des Gazastreifens vom Westjordanland.

Israel erlaubt nur begrenzten Warenverkehr
Seit der gewaltsamen Übernahme der Kontrolle des Gazastreifens durch die Hamas im vergangenen Juni hatte Israel die Grenzübergänge zu dem Palästinensergebiet am Mittelmeer geschlossen. Auch Ägypten, das die Hamas nicht als neuen Machthaber anerkennt, sperrte den Rafah-Grenzübergang zum Gazastreifen. Israel erlaubt nur die Lieferung einer begrenzten Menge an Waren, Medikamenten, Treibstoff und Elektrizität. Angesichts des andauernden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen stoppte Israel vor zwei Wochen die Versorgung mit Treibstoff; es kam zu weitreichenden Stromausfällen im Gazastreifen. Unter dem Druck der Blockade stürmten dann am 23. Jänner Palästinenser die Grenze nach Ägypten.

Haniyeh sagte am Samstag der Hamas nahestehenden Zeitung "Filastin", Gaza müsse stärkere wirtschaftliche Verbindungen mit Ägypten aufbauen, um sich wirtschaftlich von Israel trennen zu können. Dann könne man Nahrungsmittel, Treibstoff und Strom aus Ägypten beziehen. "Ägypten hat bessere Möglichkeiten, die Bedürfnisse Gazas zu decken", sagte Haniyeh.

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