Dieser meisterliche Schwertkämpfer und Magier, von den rechtschaffenen Bürgern gleichermaßen geachtet wie gefürchtet, ist einer der besten Hexer des Landes. Seine Fähigkeiten beruhen in einer Zeit, in der Magie und Aberglaube im Vordergrund stehen, auf Gen-Experimenten. Er, der Hexer, hört auf den klangvollen Namen Geralt von Riva.
Gerade in letzter Zeit scheint es für den Hexer aber nicht sonderlich gut gelaufen zu sein. Geralt findet sich mit partiellem Gedächtnisschwund auf einem Karren wieder, mit dem er zu einem der letzten Zufluchtsorte der stark dezimierten Hexer gebracht wird. Dort kommt er allmählich wieder zu Kräften. Doch eine Bande von Schurken und Halsabschneidern unter der Führung des geheimnisvollen Professors greift die Bastion der Hexer an.
Nach dem opulenten und filmreif präsentierten Intro übernimmt der Spieler die Rolle von Geralt. Als erstes gilt es im Kampf gegen die Angreifer zu bestehen. Selbst mit dem größten Einsatz lässt sich allerdings nicht verhindern, dass die Mutagene, welche den Hexern ihre Fähigkeiten verleihen, gestohlen werden. Geralt von Riva setzt nun unter Führung des Spielers alles daran diese wieder zurück zu holen und seine gefallenen Freunde zu rächen.
Rund um diese Ausgangslage entfaltet sich nach und nach eine unerwartet gut erzählte und vielseitige Story. Die polnischen Entwickler setzen nämlich auf die Hilfe des namhaften Fantasy-Autoren Andrezj Sapkowski, der eine Geschichte von Verrat und Intrigen zeichnet, dabei jedoch großteils auf die gängigen Klischees verzichtet. Zudem existiert nicht die klassische, klare Trennung zwischen Gut und Böse. Manche Entscheidungen, die moralisch nicht einwandfrei sind, helfen mitunter noch Schlimmeres zu verhindern.
Diese Grundstimmung zieht sich auch durch die Darstellung der mittelalterlichen, von Misstrauen geprägten Gesellschaft, die durch lange Kriege und diverse Krankheiten arg gebeutelt und gezeichnet wurde. Die in vielen anderen Werken so schillernd dargestellten Elfen leben beispielsweise als kleine Gruppe in den Slums. Den Entwicklern ist es zudem gelungen, den Eindruck einer lebendigen Spielwelt zu schaffen. Einziges Manko dabei ist leider, dass nicht immer alles frei begehbar ist und unlogische Hindernisse mitunter den Weg versperren.
Die Haupt- und Nebenquests spielen sich sehr unterschiedlich und äußerst unterhaltsam. Zusätzliches Lob gibt es dafür, dass nicht - wie so oft - nur simple Tötungs-Auftrage oder Botengänge zu erledigen sind. Dieser Umstand und die Interaktion mit den anderen Charakteren lassen einen immer weiter in die Welt rund um Geralt eintauchen.
Auch das Echtzeit-Kampfsystem unterscheidet sich von anderen Genre-Vertretern, setzt es doch weniger auf hektisches Geklicke als auf das richtige Timing beim Schlagen. Mit einfachen Mausklicks lassen sich leicht und ohne langes Üben Schlagkombinationen ausführen. Zur Unterstützung leuchtet zum richtigen Zeitpunkt kurz der Mauscursor auf. Gelingt es, den Kontrahenten niederzuschlagen, kann ein sehenswerter Finishing-Move ausgeführt werden. Unterstützend kann Geralt auf seine magischen Fähigkeiten zurückgreifen, die durch Druck auf einen der Hot-Keys ausgelöst werden.
Aufgrund seiner alchemistischen Fähigkeiten versteht sich Geralt zudem auf die Zubereitung der unterschiedlichsten Elixiere. Selber-Experimentieren ist erlaubt, wer allerdings glaubt, dies gehe ohne Nebenwirkungen, der irrt: Ein paar falsche Zutaten in das Gebräu gemixt und schon windet sich Geralt fortan unter Schmerzen.
Das rollentypische Skill-System verfolgt nicht den Weg der endlos langen Zahlenkolonnen. Nach gewonnen Duellen gilt es ab und an Punkte auf die verschiedenen Fähigkeiten Geralts zu verteilen. Dies passiert in grafisch ansprechend gestalteten, sogenannten Skill-Trees.
Die Grafik fördert das gute Gesamtbild. Die Fantasywelt wird gekonnt und sehr atmosphärisch in Szene gesetzt. Dazu passend ertönt eine exzellente Hintergrundmusik. Die englische Sprachausgabe fügt sich, im Gegensatz zur deutschen Synchronisation, harmonisch in das Ganze ein.
Leider ist nicht alles eitel Wonne, denn verschiedenste Bugs trüben das Spielgeschehen wesentlich. Erst nach der Installation des verfügbaren Patches sind diese Irritationen beseitigt. Unter Windows Vista war trotz diverser Hotfixes an ein absturzfreies Spielen gar nicht erst zu denken.
Fazit: In "The Witcher" wartet auf den Spieler ein exzellent in Szene gesetztes Fantasy-Epos. Neben der tollen Story, den vielfältigen spielerischen Möglichkeiten und der guten Präsentation sorgt der große Spielumfang für lang anhaltendes Spielvergnügen. Lediglich ein paar Macken, die durch den Patch teilweise bereits behoben wurden, lassen etwas Frust aufkommen.
Plattform: PC
Publisher: Atari
Krone.at-Wertung: 89%
von Harald Kaplan
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