Altair ist sein Name, Auftragsmörder und Protagonist eines der bereits im Vorfeld vielversprechendsten Games des Jahres aus dem Hause Ubisoft. Was die Macher bis zum Erscheinen aber geheim hielten: Die Auftragsmorde des Assassinen sind nur Teil einer in der nahen Zukunft spielenden Rahmenhandlung. Forscher haben herausgefunden, dass in den Erinnerungen eines jeden Menschen auch die Erinnerungen seiner Vorfahren abgespeichert sind. Mit Hilfe des "Animus" will man so einem dunklen Geheimnis auf die Spur kommen...
Hier kommt nun wieder der hochmütige Altair ins Spiel, der nach einem verpatzten Attentat auf einen Templer im Jahre 1191 seiner Waffen und des Dienstgrades beraubt wurde und sich nun bei seinem Ordensherrn erneut das Vertrauen erkämpfen muss. Einer nach dem anderen sollen neun auf einer Liste stehende Namen zuerst aufgespürt und dann möglichst unscheinbar beseitigt werden.
Der erste Auftrag führt den Assassinen nach einem kurzen Ausritt nach Damaskus. Hier, inmitten der verwinkelten und dicht bevölkerten Gassen, gilt es das Opfer ausfindig zu machen. Ein ohne entsprechende Informationen schier aussichtsloses Unterfangen. Glücklicherweise unterhält der Orden jedoch in jeder der insgesamt drei frei begehbaren Städte - Akkon, Damaskus und Jerusalem - ein Büro, welches Altair bei den ersten Schritten behilflich ist.
Informationsbeschaffung auf die harte Tour
So erfahren wir beispielsweise, an welcher Straßenecke ein Händler mit wichtigen Informationen zu finden ist. Um an diese jedoch heranzukommen, brauch es dann doch etwas mehr eigenes Zutun. Die einfachste Methode ist die des Belauschens: Zwischen Stadtbewohnern auf einer Bank sitzend, lassen sich gefahrlos Gesprächsbrocken abfangen. Schon komplizierter ist der Taschendiebstahl, werden bei einem Fehlschlag doch die Wachen alarmiert. Die dritte, aber auch gefährlichste Art und Weise, um an Informationen zu gelangen, ist schließlich die des Herausprügelns: In einer entlegenen Straßenecke wird das Opfer mit ein paar gezielten Fausthieben gefügig gemacht.
Planung ist das halbe Leben
Sind letzten Endes alle Informationen über den Verbleib der Zielperson zusammengetragen, kann nach Rücksprache mit dem Büro das Attentat beginnen. Allerdings sollte dem Mord eine sorgfältige Planung vorausgehen: Mögliche Fluchtrouten müssen ausgekundschaftet und etwaige Wachen aus dem Weg geräumt werden. Altair verfügt zu diesem Zweck über einen Dolch, der sich vor allem für den hinterhältigen Anschlag eignet, sowie ein Kurzschwert, um es mit mehreren Gegnern aufnehmen zu können. Das Kampfsystem selbst ist dabei recht simpel gehalten und setzt vielmehr auf Timing, um Schläge abzuwehren oder zu kontern, denn auf ausgeklügelte Tastenkombos.
Flucht über die Dächer
Ist die Zielperson dann schließlich aus dem Weg geräumt, bleiben meist nur wenige Augenblicke, ehe die Wachen Alarm schlagen. Jetzt zählen Sekunden, um nicht in die gegnerischen Hände zu fallen. Der schnellste Weg führt daher zumeist über die Dächer, setzt allerdings ein hohes Maß an Konzentration voraus, um nicht beim Sprung von einem zum nächsten Dach daneben zu treten und in den Tod zu stürzen.
Weniger halsbrecherisch ist daher die Flucht durch die Gassen, in der allerdings Passanten den Weg versperren und Altair zu Fall bringen können. Wer im Vorfeld unbescholtene Bürger aus den Klauen der Soldaten gerettet hat, darf sich nun glücklich schätzen: Als Partisanen leisten sie im Notfall wertvolle Unterstützung und blockieren den Häschern den Weg. Wohl am elegantesten untertauchen lässt sich jedoch inmitten einer Gruppe Geistlicher: Gesenkten Hauptes kann man so ganz entspannt gehend den Verfolgern entwischen.
So aufregend dieser Vorgang - von der Informationsbeschaffung über das Attentat bis hin zur Flucht - auch sein mag, leider wiederholt er sich im Spiel nur zu oft. Zwar steigen die Anforderungen - die Wachen stehen nun etwa auch auf den Dächern -, das Prozedere bleibt jedoch das Gleiche. Dies dürfte dann aber allerdings auch das einzigste Manko des Spiels sein, denn in audiovisueller Hinsicht präsentiert sich "Assassin's Creed" nahezu perfekt.
NextGen-Augenweide
Mit welcher Liebe zum Detail und Sorgfalt die Entwickler das Heilige Land "nachgebaut" haben, dürfte nämlich selbst hartgesottenen Spielern den Atem rauben. Überall kreucht und fleucht es, preisen Markthändler ihre Waren an oder schwingen Wanderprediger ihre Reden. "Assassin's Creed" sprüht geradezu voller Leben und darf sich aufgrund der (fast) konstant stabil laufenden Grafikpracht das Prädikat "NextGen" verdientermaßen auf die Stirn picken.
Doch nicht nur das Stadtbild weiß zu begeistern, es sind vor allem die komplexen, aber dennoch unglaublich geschmeidig und sanft ablaufenden Bewegungen des Assassinen, der wie eine Raubkatze über die Dächer balanciert und dabei dem Prinzen aus Persien gehörig Konkurrenz macht.
Fazit: Der ganze Hype im Vorfeld um "Assassin's Creed" war - rückblickend betrachtet - gerechtfertigt. Wenngleich betont werden muss, dass in Sachen Gameplay (Stichwort: Abwechslung) durchaus Platz für Verbesserung ist, präsentiert sich das Spiel in bis dato noch nicht gesehener technischer Perfektion. Die Komplexität und atmosphärische Dichte, mit der die Ubisoft Studios Montreal das Heilige Land auferstehen lassen, ist atemberaubend. Bleibt nur zu hoffen, dass der spannend inszenierte Mix aus "Prince of Persia" und "Splinter Cell" bald eine Fortsetzung findet.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Ubisoft
Krone.at-Wertung: 94%
von Sebastian Räuchle
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