26.11.2007 14:04 |

Sag "Ich liebe dich"

"Süßholzraspeln" für Japans Ehemänner

Bei der Hochzeit ist meist noch alles eitel Sonnenschein, doch wehe, wenn ein paar Jahre ins Land gezogen sind: Wenn es um das Aussprechen von Gefühlen geht, tun sich japanische Männer traditionell schwer. Doch das Machogehabe geht den Japanerinnen zunehmend gegen den Strich, was sich vor allem in der steigenden Zahl von Scheidungen in dem asiatischen Land widerspiegelt. In einem Verein mit rund 4.000 Mitgliedern lernen jetzt unterkühlte Typen, der Ehefrau ein "Ich liebe dich" zuzuflüstern, sie mit Komplimenten zu umgarnen oder ihr gekonnt zu versprechen, keine Striptease-Clubs mehr aufzusuchen.

"Es tut mir leid, dass ich immer vergesse, den Toilettensitz herunterzuklappen", ruft ein Geschäftsmann mittleren Alters im Anzug seiner imaginären Frau zu. Dabei balanciert der Tokioter auf einem Bierkasten, damit die anderen Teilnehmer der Schulung ihn beobachten können. Ein anderer verspricht seiner Frau, keine Striptease-Clubs mehr zu besuchen. "Ich liebe dich, auch wenn ich es nicht sage", gesteht ein Dritter. Dann skandieren 20 Männer: "Sag 'Danke', ohne zu zögern. Sag 'Entschuldigung', ohne Angst zu haben. Sag 'Ich liebe dich', ohne schüchtern zu sein."

„Vereinigung chauvinistischer Ehemänner“
Gegründet wurde der Nationalen Teishu-Kampaku-Verein - frei übersetzt "Vereinigung der chauvinistischen Ehemänner" - von Shuichi Amano. Die Idee kam dem Zeitschriften-Herausgeber 1999, als seine eigene Ehe nach 20 Jahren zu scheitern drohte. Dem Endvierziger fiel auf, dass auch bei vielen Freunden die Partnerschaft auf der Kippe stand.

"Viele Ehemänner managen die Risiken im Berufsleben. Aber sie vernachlässigen die zu Hause", sagt der 55-Jährige. Viele sähen sich auch nach der Pensionierung als Ernährer der Familie und blieben untätige Paschas. Bei einer Umfrage gaben mehr als 80 Prozent der verheirateten Japanerinnen an, den Haushalt weitgehend alleine zu schmeißen.

Er selbst helfe seiner Frau inzwischen im Haus, sagt Amano. "Wir Ehemänner müssen uns von der Vorstellung verabschieden, unsere Frauen zu dominieren." Seine Schmeicheleien hätten sich zu Beginn leer angehört, räumt er ein. "Meine Frau war ziemlich misstrauisch. Aber nach ein paar Jahren hat sie ihr Lachen wieder gewonnen."

Zahl der Scheidungen steigt seit Jahren
In vielen japanischen Ehen läuft es nicht rund. Die Zahl der Scheidungen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen, obwohl die Rate noch gut unter den meisten westlichen Ländern liegt. Besonders Trennungen im mittleren Alter nehmen zu. So ließen sich nach Behördenangaben 2002 etwa 45.000 Paare scheiden, die mehr als 20 Jahre verheiratet waren - dreimal so viele wie vor 30 Jahren. Experten rechnen damit, dass in Zukunft noch mehr Ehepaare getrennte Wege gehen - auch weil eine Gesetzesänderung den Frauen nach einer Scheidung einen Teil der Rente des Ehemannes zusichert.

In Amanos Verein können sich Ehemänner austauschen und bei den öffentlichen Sitzungen Selbstvertrauen in ihre Schmeichelfähigkeiten gewinnen. So hat der 67-jährige Teruo Manabe gelernt, seiner Frau öffentlich Komplimente zu machen. "Wir als ältere Generation sollten mit gutem Vorbild vorangehen", sagt er.

Auch wenn viele die Liebesschwüre erst peinlich finden - der Verein zählt inzwischen rund 4.000 Ehemänner aus dem ganzen Land als Mitglieder. Kein Mitstreiter zwischen 20 und Ende 60 habe sich scheiden lassen, berichtet Amano stolz. Und sie alle feilen weiter am Traumbild des perfekten Ehemanns. Die höchste Vollendung ist erreicht, wenn man ohne zu erröten "Ich liebe dich" sagen kann. Bis dahin sei er noch nicht einmal selbst vorgedrungen, sagt Vereinschef Amano. Aber er schaffe es immerhin, Hand in Hand mit seiner Frau spazieren zu gehen.

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