26.11.2007 11:34 |

Streik in Hollywood

"Ohne die Drehbuchautoren sind wir sprachlos!"

Hollywoodstar Sean Penn hat es aus Solidarität mit den streikenden Drehbuchautoren die Sprache verschlagen. In einem Video (zu sehen auf krone.tv) reißt der Schauspieler und Regisseur den Mund auf, aber nichts ist zu hören. Die Message ist einfach: Ohne Schreiber fehlen den Stars die Worte. Neben Penn machen mehr als zwei Dutzend hochkarätige Stars, darunter Holly Hunter, Susan Sarandon, Laura Linney, Jane Fonda, Harvey Keitel, Woody Allen und Tim Robbins bei der „Speechless“-Kampagne mit. Stumm, pfeifend oder mit schrägen Dialogen stellen sie sich „Sprachlos“ hinter den Aufstand der Autoren.

Die 12.000 gewerkschaftlich organisierten „Screen Writers“ hatten am 5. November erstmals seit fast 20 Jahren den Arbeitskampf eröffnet. In einem bitteren Duell mit ihren Arbeitgebern, den Film- und Fernsehproduzenten, verlangen sie mehr Geld für die Weiterverwertung ihrer Arbeiten im Internet und auf DVDs. Eine letzte mehr als zehnstündige Marathonsitzung war vor drei Wochen gescheitert. Am Montag sollte das Tauziehen zwischen der Schriftstellergewerkschaft (WGA) und der Allianz der Film- und Fernsehproduzenten (AMPTP) weiter gehen.

Jetzt fallen auch große Hollywood-Filme dem Streik zum Opfer!
Doch damit ist das Kriegsbeil noch lange nicht begraben. Während die Spitze neu verhandelt, wollen die Schreiber weiter mit „Picket Lines“ die Eingänge der Studios verstellen und die Traumfabrik lahm legen. Mit jedem weiteren Tag der Schreibblockade wächst die Zahl der Opfer. Brad Pitt stieg nur wenige Tage vor Drehbeginn aus dem Politthriller „State of Play“ aus, weil er mit dem Drehbuch nicht zufrieden ist. Das Skript kann wegen des Streiks derzeit nicht umgeschrieben werden.

Roland Emmerich muss sich mit „Fantastic Voyage“ nun länger gedulden, denn die Vorlage wurde nicht rechtzeitig fertig. Oliver Stones Vietnamdrama „Pinkville“ liegt auf Eis, ebenso verzögert sich die Dan-Brown- Verfilmung „Angels and Demons“ (Illuminati). Die Fortsetzung des Blockbusters „Da Vinci Code“ sollte in London und Rom gedreht werden. Im US-Fernsehen senden Late-Night-Shows nur noch Wiederholungen. Auf dem Set von Hit- Serien wie „Desperate Housewives“ und „The Office“ ruht die Produktion. Anderen geht es noch schlechter: Die dritte Staffel von „Prison Break“ ist bei Folge acht stehen geblieben.

Streik kostet täglich 20 Millionen Dollar
Das Streik-Drama trifft nicht nur die Stars der Branche. Zehntausende in Hollywood fürchten um ihren Job, viele haben ihn schon verloren. Ein Caterer, der das Set von „Ugly Betty“ und „24“ mit Essen versorgte, ist nun arbeitslos. Es trifft Visagisten, Kostümdesigner, Elektriker und Beleuchter. Einige tragen es noch mit Humor, wie die Macher des Internet-Videos „Heroes of the Writers Strike“ (Helden des Autorenstreiks). Da witzeln Schreiber über ihre neuen „Jobs“ als Fast-Food-Verkäufer und Strichjungen. Doch Wirtschaftsexperten zeichnen ein düsteres Bild. „Wird der Streik am Montag beigelegt, dann war es lediglich ein Ärgernis. Dauert er fünf Monate an, dann wird es sehr schmerzhaft sein“, sagte der Marktbeobachter Jack Kyser dem Fachblatt „Hollywood Reporter“. Der Arbeitskampf könnte die Branche täglich über 20 Millionen Dollar kosten.

Der letzte Autorenstreik 1988 zog sich fast ein halbes Jahr hin, die Verluste wurden mit 500 Millionen Dollar beziffert. Bei dem Tauziehen um bessere Verträge hätten sie sich damals von den Produzenten mit mageren Tantiemen für die Verwertung von Videokassetten abspeisen lassen. Diesen Fehler würden sie nicht noch einmal machen, kündigte WGA-Chef David Young unlängst kämpferisch an. Sie wollten einen „fairen Anteil“ an den neuen Einnahmequellen, etwa wenn ihre Filme und Serien im Internet und auf Mobiltelefonen verbreitet werden. Sein Gegenspieler, Produzenten-Chef Nick Counter, hielt den Schreibern vor, „unvertretbare“ Forderungen zu stellen. Der bittere Schlagabtausch dürfte am Montag hinter geschlossenen Türen weiter gehen.

Die Autoren genießen derzeit die Rückendeckung der US-Bürger. Einer landesweiten Umfrage der Pepperdine Universität zufolge sprachen sich 63 Prozent der Befragten für den Arbeitskampf aus. „Wir verlangen ja nicht die ganze Goldene Kuh, sondern nur einen kleinen Milchstrahl. Doch sie gönnen uns nicht mal einen Tropfen“, schimpft der 93 Jahre alte Autor Irving Brecher in einem Videoblog auf die Produzenten. Der Verfasser von Drehbüchern wie „Bye Bye Birdie“ (1962) und „Die Marx Brothers im Wilden Westen“ (1940) trat 1938 der Autorengewerkschaft bei. Seit damals warte er auf einen anständigen Deal. „Ich warte immer noch“, sagt Brecher mit resoluter Stimme.

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