Klausur

"Medikamente ohne Apotheker - da gibt´s Tote"

Oberösterreich
07.11.2007 07:42
„Durch Internet-Anbieter und Apothekenketten werden wir Tote bekommen, weil niemand mehr richtige Beratung bietet!“ Der deutsche Universitätsprofessor Theo Dingermann warnte bei der Klausur des Österreichischen Apothekerverbandes in Bad Leonfelden davor, Medikamente nur noch als Kostenfaktor zu sehen.

Es ist ein Problem, das weltweit vielen Regierungen im Magen liegt: Weil die Menschen in höher entwickelten Staaten immer älter werden, drohen die Gesundheitssysteme unter der Finanzlast endgültig in die Knie zu gehen. Verzweifelt werden Auswege aus dieser Kostenfalle gesucht. In Deutschland wurde versucht, mit Gesetzen die Preise für Medikamente in den Griff zu bekommen.

Die Deutschen haben die umstrittenen Internet-Apotheken legalisiert und auch Apothekenketten erlaubt. Die Gefahr bei Internetbestellungen ist, dass Wirkstoffe oft unterdosiert sind. Schlucken die Patienten dann „echte“ Medikamente, riskieren sie eine lebensgefährliche Überdosis.

Österreichische Apotheker warnen daher: Gesundheit und Krankheit würden zu sehr auf das Preisetikett reduziert. Bei der Klausur in Bad Leonfelden kritisierte der Frankfurter Hochschullehrer Theo Dingermann diesen europaweiten Trend: „Arzneimittel eignen sich nicht für den Wettbewerb. Medikamente sind besondere Waren, die einen besonders verantwortungsvollen Umgang brauchen.“

Der deutsche Experte befürchtet, dass in Zukunft in der EU Kapitalgesellschaften beim Apothekenwesen mitmischen könnten.

 

Foto: Chris Koller

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