01.07.2007 13:02 |

Ruf nach Demokratie

Großproteste in Hongkong

Mehrere zehntausend Menschen haben am zehnten Jahrestag der Übergabe der britischen Kronkolonie Hongkong an China für freie Wahlen demonstriert. Der Protestmarsch folgte auf eine Brandrede von Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao, die als indirekte Warnung an die Befürworter von mehr Demokratie gewertet wurde. 2004 hatten noch eine halbe Million Menschen an einer ähnlichen Demo teilgenommen.

Hu hatte in seiner Rede am Sonntag an die Adresse der 6,9 Millionen Hongkonger erklärt, dass die nationale Einheit Chinas über den Einzelinteressen der heutigen Sonderverwaltungsregion Hongkong stehe. Der Grundsatz "ein Land, zwei Systeme", nach dem Hongkong heute autonom verwaltet wird, bedeute, dass die Macht der Zentralregierung sowie die Souveränität und Einheit Chinas hoch gehalten werden müssten. Der Präsident hob auch die Notwendigkeit einer "geordneten, schrittweisen Entwicklung" des politischen Systems in Hongkong hervor.

Proteste statt Feierlichkeiten
Kurz nach seiner Abreise formierte sich der Protestmarsch, an dem nach ersten Schätzungen zwischen 40.000 und 50.000 Menschen teilnahmen. Unter ihnen waren auch die frühere Verwaltungschefin Anson Chan und der Hongkonger Kardinal Joseph Zen. Der Kardinal sagte, ihm sei nicht nach Feiern zumute, da Hongkong immer noch keine Demokratie erreicht habe. Nach mehr als 150 Jahren britischer Herrschaft war Hongkong am 1. Juli 1997 an China zurückgegeben worden und wird seither als eigenes Zoll- und Währungsgebiet in seinen alten Grenzen autonom verwaltet.

Es wurde aber auch gefeiert - so mit einer bunten Parade. Rund 5.000 Menschen zogen durch die Straßen und schwenkten Flaggen Chinas und Hongkongs, während 20 Fallschirmspringer in Kostümen der Kaiserzeit zur Erde schwebten. Vier Hubschrauber flogen mit den Flaggen Chinas und Hongkongs über das Kongresszentrum hinweg, das für die Übergabezeremonie von 1997 errichtet wurde.