29.06.2007 22:25 |

Restitutionsfall

Albertina bald ohne Plakat-Sammlung?

Eine rund 3.600 Stücke umfassende Plakatsammlung in der Wiener Albertina könnte von dem Museum 1939 über einen Kunsthändler aus einem Notverkauf heraus erworben worden sein und daher zum Restitutionsfall werden, also zu einem Besitz, der den ursprünglichen Eigentümern zurückgegeben werden muss. Das bestätigte die Restitutionsexpertin der Albertina, Maren Gröning.

Gröning hat am Freitag erstmals Kontakt mit einer Tochter des wegen Verfolgung durch die Nazis offenbar zu einem Notverkauf gezwungenen ehemaligen Besitzers der Sammlung, Gaston Belf, gehabt und hofft nun, von dieser fehlende Details zum Verkauf der Sammlung zu bekommen.

Die Sammlung Julius Paul ist ein wichtiger Teil der Albertina-Plakatbestände und war schon beim Erwerb als wertvoll bekannt gewesen. Den vom britischen "Art Newspaper" auf 10 Millionen Dollar (7,4 Millionen Euro) bezifferten Wert der Sammlung konnte Gröning nicht bestätigen. Entscheidend sei, ob die 2.000 Reichsmark, die dafür 1939 gezahlt wurden, "fair waren", so Gröning.


"Sieht nach Restitution aus"
Belf, der Neffe des Sammlers Julius Paul, habe in seinem Vermögensbesitz 1938 eine Plakatsammlung angeführt, die er von Pauls Witwe Pauline erhalten haben könnte. Pauline hatte die Sammlung, die Arbeiten von Klimt und Mucha beinhaltet, 1938 von ihrem Mann geerbt. Belf verkaufte seine Plakatsammlung und flüchtete gleich darauf ins Ausland - es "sieht im Moment ziemlich stark nach Notverkauf aus. Dann wäre das ein Restitutionsfall", so Gröning.

Sie wisse jedoch noch nicht, wie die Werke genau den Besitzer gewechselt haben, und hofft auf Auskünfte von Belfs Tochter, die nahe Boston in den USA lebt. Auch zur Flucht und weiteren Vita des vor fünf Jahren gestorbenen Belf könnte diese neue Aufschlüsse geben.

Bild: Peter Tomschi

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