Organe gesucht

Unsere Spender in Europa Spitze!

Oberösterreich
06.06.2007 18:14
Die Empörung war schon im Vorfeld riesig, doch dann stellte sich die niederländische Organspende-Show als Bluff heraus. Das Ziel wurde jedoch erreicht: Die Diskussion rund um Transplantationen ist entfacht. OÖ ist europaweit zwar Spitze, doch nur deshalb, weil bei uns jeder automatisch zum Spender wird.

„Mit 31 Organspendern pro einer Million Oberösterreicher sind wir ganz oben auf der Europa-Liste. In absoluten Zahlen waren das 42 Spender im Jahr 2006“, berichtet Walter Löffler, Transplantationsreferent für Salzburg und Oberösterreich. Jeder Spender rettet fünf Patienten das Leben, doch bei uns halten sich vor allem die Lebendspender zurück: „Ihr Anteil beträgt nur etwa fünf Prozent, in Skandinavien sind es 30 Prozent“, so Löffler. Dafür wird bei uns fast jeder Hirntote, dessen Organe in Ordnung sind, zum Spender. Denn in Österreich muss man sich im Widerspruchsregister in Wien eintragen lassen, wenn man seine Organe nach dem Tod behalten will: „13.000 stehen auf der Liste.“

Auf einer anderen Liste, der Warteliste für Organe, stehen zur Zeit 1125 Österreicher, demgegenüber stehen 703 Transplantationen im Jahr 2006. 133 Organe dafür kamen aus Oberösterreich. Eingepflanzt werden in unserem Bundesland aber nur Nieren: „Das wird nur im AKH und bei den Elisabethinen in Linz gemacht. Letztes Jahr hatten wir dort 52 Nierentransplantationen, vier davon waren von Lebendspendern“, weiß Löffler. Warten müssen die Patienten im Schnitt 16 Monate.

„Ich will nicht wissen, wessen Herz ich bekam“
Nur noch zu 20 Prozent arbeitete das Herz von Josef Pesendorfer. Schon am 2. Tag, nachdem der Pfarrer aus Feldkirchen/D. auf die Warteliste kam, gab es für ihn ein Spenderherz.

Die Operation ist fast ein Jahr her. Wie geht es Ihnen mit dem neuen Herz?
Ich bin sehr viel fitter. Nur ein Virus, das bei Transplantation oft auftritt, muss ich bekämpfen. Und Ärger schlägt sich buchstäblich aufs Herz.

Wie ist es bei Ihnen als Priester mit moralischen Bedenken bei Organspenden?
Natürlich war das ein Thema. Ich sehe die Möglichkeit als Geschenk und hätte nichts dagegen, wenn ich auf diese Weise einmal jemandem helfen kann.

Wissen Sie, wem Ihr Herz einmal gehörte?
Es wird einem nicht gesagt, und ich will es auch nicht wissen. Das würde vielleicht zu sehr belasten. Meinen ersten Gottesdienst nach der Operation habe ich jenem gewidmet, dessen Herz ich habe.

 

 

 

Symbolfoto: Klemens Groh

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