04.06.2007 10:22 |

Insekt auf Abwegen

Spider Man 3

Kein Blockbuster ohne dazugehöriges Videospiel. Spider Man, die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft, macht da keine Ausnahme und so schickt Activision Spidey aka Peter Parker in Teil drei der Spinnen-Saga in die Häuserschluchten Manhattans - mit mäßigem Erfolg.

Das liegt vor allem daran, dass Spider Man in der Videospiel-Ausgabe keiner linearen Handlung folgt. Stattdessen sucht sich der Spieler in GTA-Manier seine Aufgaben in den Straßen New Yorks selbst: Diese gliedern sich in Story-Missionen, in denen es Spidey neben dem Sandmann oder Harry Osborn, in der Gestalt des neuen Kobolds, auch mit King Pin, Venom oder der Echse zu tun bekommt, sowie kleine Aufgaben, bei denen Spider Man Mary Jane beim Schwingen von Haus zu Haus verzücken muss oder Rennen absolviert.

Wenn Spider Man mal gerade keine Lust auf einen der angebotenen Aufträge hat, dann kann er auch auf eigene Faust auf Verbrecherjagd gehen - schließlich tummeln sich in New York allerlei kleine Fische und Ganoven. Um diese und andere Schurken in den Griff zu bekommen, bedient sich Spidey seiner überaus wirkungsvollen und von den Entwicklern auch wirklich gut in Szene gesetzten Spinnen-Sinne.

Da wäre zum einen der Röntgenblick, der Gegner oder etwa Fußspuren sichtbar macht, sowie die Zeitlupenfunktion, die Spider Man in einer Art Bullet-Time-Sequenz Angriffe vorhersehen lässt, um diese dann zu kontern. Darüber hinaus besitzt die Spinne natürlich die Fähigkeit, an Wänden senkrecht entlang zu krabbeln, was zu einem dreidimensionalen Videospiel-Erlebnis führt, und mit seinen Spinnenfäden durch New York zu schwingen und Gegner einzuwickeln. Mit zunehmendem Einsatz der Fähigkeiten entwickeln sich diese und neue Tricks und Fertigkeiten werden freigeschaltet.

So schön Spideys geschmeidige Kombo-Angriffe auch anzusehen sind, in der Praxis nutzen sie recht wenig. Der Grund: der recht gesalzene Schwierigkeitsgrad. Immer wieder heißt es "Mission gescheitert", ohne dass der Spieler überhaupt wüsste, woran es liegt. Das ist immer dann besonders ärgerlich, wenn der letzte Kontrollpunkt schon ein Weilchen zurückliegt und der Spieler schwierige Passagen erneut in Angriff nehmen muss.

Auch grafisch ist "Spider Man 3" leider nur durchschnittliche Kost. Weitsicht, die realistische Umgebung New Yorks und Spider Mans Bewegungsabläufe können zwar absolut überzeugen, die in den Zwischensequenzen zur Schau gestellten Charaktere haben mit den Original-Schauspielern aber nur wenig gemein. Anders beim Sound: Hier konnte man zwar die Original-Stimme von Tobey Maguire gewinnen, lebhaft wirken die Dialoge aber dennoch nicht.

Fazit: "Spider Man 3" hat viel Potenzial, verspielt es aber nur allzu leichtfertig. Die tollen Animationen der Spinne im Kampf, die Straßen von New York oder das unglaublich spaßige Gefühl beim Schwingen von Haus zu Haus können die Mankos eben nicht wett machen: eine nicht vorhandene Story, den hohen Schwierigkeitsgrad, nur mäßige Grafik und Sound sowie die zum Teil recht vermurkste Kamerasteuerung.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PC, PS2, PSP, PS3, Wii
Publisher: Activision
Krone.at-Wertung: 71%


von Sebastian Räuchle

Freitag, 07. Mai 2021
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