Alles dicht

14 Kilometer Stau, weil Bindermichl wieder zu war

Ein Zusammenstoß zwischen einem Tschechen-Lkw und einem Mühlviertler Pkw reichte Mittwoch um 7 Uhr früh aus, um den Linzer Bindermichl Richtung A 1 wieder einmal für eine Stunde lang völlig lahm zu legen. Der Riesenstau war 14 Kilometer lang. Die geplante Verkehrsbeeinflussungsanlage gilt als letzte Hoffnung.

„Der Lkw machte einen Fahrstreifenwechsel nach rechts, kollidierte dabei mit dem Pkw einer Frau aus Ottensheim. Sie wurde leicht verletzt“, berichtet das Linzer Unfallkommando lapidar. Kleine Ursache, große Wirkung: Um 7.06 Uhr wurde der Tunnel gesperrt. Der Rückstau im Morgenverkehr war enorm, die Blechlawine wälzte sich bis Treffling. Erst um 8.12 Uhr war der Tunnel wieder befahrbar. Stoßseufzer eines Linzer Polizeibeamten: „Als wir den Bindermichl-Tunnel noch nicht gehabt haben, war´s leichter.“

Eine Meinung, der sich mittlerweile die meisten gequälten und genervten Autofahrer anschließen werden. In der 175 Millionen Euro teuren Röhre kracht es im Schnitt jeden zweiten Tag. Land und Asfinag schieben sich gegenseitig den schwarzen Peter zu. Ein Schuldiger ist jedenfalls längst gefunden: Es ist der Autofahrer, der sich im laut ÖAMTC „sichersten Tunnel Europas“ nicht an die Vorschriften halte.

Die neue Verkehrsbeeinflussungsanlage gilt als letzte Hoffnung. Sie soll ab Jahresende funktionieren.

 

„Ich bin auch ratlos, was sehr selten ist“
LH-Vize Franz Hiesl bastelt schon an den nächsten Tunnels, doch der missglückte Bindermichl-Bau nagt an seinen Nerven: „Ich bin auch ratlos.“

Herr Hiesl, es vergeht kaum ein Tag, wo es im Bindermichl nicht scheppert und es sich staut. Sind Sie mit dieser sündhaft teuren, aber leider unfallträchtigen Lösung eigentlich zufrieden?
Ich verfolge natürlich auch im Verkehrsfunk, was los ist. Aber gegen die Unfälle gibt’s  einfach nix. Das Problem vom Tunnel ist, du musst ihn sofort sperren, wenn was los ist. Weil wenn da drinnen etwas passiert, dann Gnade dir Gott! Das wissen die Tunnelwarte auch genau und deshalb sperren sie so oft.

Sie würden am Bindermichl also alles nochmals genau so machen?
Ich wüsste keine andere Lösung. Zufrieden bin ich nicht. Aber es liegt auch an den Autofahrern, die viel zu knapp auffahren. Die Baustelle hat halt damals viele Lenker animiert, besonders vorsichtig zu sein.

Und was ist mit dieser ominösen Verkehrsbeeinflussungsanlage? Die sollte doch längst alles regeln?
Da gab es Anlaufprobleme, zum Teil ist sie erst in der Erprobungsphase und das dauert seine Zeit. Aber bis zum Jahresende muss die Verkehrsbeeinflussungsanlage zumindest auf der A 7 funktionieren, sonst zahlen wir unsere 300.000 Euro Anteil nicht an die Asfinag. Das gesamte System im Zentralraum kostet fünf Millionen Euro.

 

 

Foto: Chris Koller

Freitag, 07. Mai 2021
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