Gerlinde Kaltenbrunners Versuche, den siebenthöchsten Berg der Welt als ihren 10. Achttausender zu bezwingen, standen von Anfang an unter keinem guten Stern. Beim ersten Anlauf setzte ihr eine Verkühlung zu. Schock auf 5750 Metern: Das eingerichtete Depot war von einer Expedition geplündert worden. Zelt, Schlafsäcke, Brenner - alles weg! Zwei Tage später musste sie auf 7400 Metern Höhe umdrehen, weil ihre völlig erschöpfte tschechische Begleiterin Lucie Orsulova unter schweren Gleichgewichtsstörungen litt. „An einen Aufstieg war nicht mehr zu denken. Ich bin froh, dass ich Lucie gut nach unten gebracht habe“, atmete Gerlinde nach einem kräfteraubenden, sehr schwierigen14-stündigen Abstieg durch.
Beim zweiten Versuch wies sie der bei Alpinisten als „launische Diva“ gefürchtete Dhaulagiri auf weitaus brutalere Art ab. Kaltenbrunner überlebte am Muttertag eine gewaltige Lawinenkatastrophe dank einer Luftblase unverletzt. Zwei Spanier wurden vom „weißen Tod“ begraben.
Dieses Drama hat die 36-jährige sehr mitgenommen. Trauer und Schock haben sich schmerzlich in ihr Herz eingegraben. „Glück und Tod liegen in den Bergen knapp nebeneinander“, hatte sie im Interview mit der „Krone“ vor ihrer Expedition nachdenklich gemeint.
Nach einem fast fluchtartigen Abstieg versucht sie den Schrecken und das Grauen nun im abgeschiedenen nepalischen Bergdorf Marpha zu verarbeiten. Ihre tiefe Gläubigkeit wird ihr dabei sicherlich helfen.
Und sie freut sich darauf, ihren Ehemann Ralf Dujmovits und ihre Familie in Spital am Pyhrn bald in die Arme schließen zu können.
Foto: Privat
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