Wahrlich fantastisch

Two Worlds

Spiele
29.05.2007 10:47
300 Jahre sind nun bereits vergangen, seit Aziraal, Gott der Zerstörung, in "Two Worlds" die Horden der Orks vereinigte und in einer sagenumwobenen Schlacht gegen das Reich Antaloor zog. Ein Bündnis aus Menschen, Zwergen und Elfen vermochte mit Hilfe der Götter die Pläne Aziraals jedoch zu vereiteln und den zänkischen Gott mittels eines magischen Relikts in einem versiegelten Schrein zu verbannen.

Natürlich ist die Geschichte damit nicht zu Ende, denn es mehren sich die Bestrebungen, Aziraal aus seinem ewigen Gefängnis zu befreien. Hier kommt der Held ins Spiel: Als einsamer Kopfgeldjäger streift er auf der Suche nach seiner entführten Zwillingsschwester durch die Lande. Schnell wird er dabei aufgrund seiner eigenen Vergangenheit zum Spielball der in Antaloor vorherrschenden Mächte und muss sich entscheiden, wem er die Treue hält. 

Die Charakterentwicklung
Im Gegensatz zur Konkurrenz hat der Spieler in "Two Worlds" zu Beginn nicht die Möglichkeit, aus verschiedenen Rassen oder Klassen zu wählen. Eine Differenzierung der eigenen Fähigkeiten erfolgt im Verlauf des Spiels: Mit jedem Level-Aufstieg können die Basiswerte Lebensenergie, Geschicklichkeit, Stärke und Willenskraft ausgebaut werden. Überdies gibt es Skillpunkte, die auf generelle Skills, wie etwa reiten, schleichen oder Schlösser öffnen, die fünf Magieschulen, sowie aktive und passive Attribute verteilt werden können. Zu den passiven Attributen gehören beispielsweise der Kampf mit zwei Waffen, die Fähigkeit zu Blocken oder kritische Treffer zu landen. Aktive Attribute erlauben dem Spieler hingegen mittels Rechtsklick im Kampf etwa Kopfnüsse zu verteilen oder mit dem Fuß Staub aufzuwirbeln, um den Gegner zu blenden.

Allerdings stehen dem tapferen Recken nicht alle Fähigkeiten von Anfang an zu Verfügung. So können gewisse Grundkenntnisse erst gegen bare Münzen bei den im ganzen Land verstreuten Trainern erworben werden. Sehr praktisch: Wer mit der Entwicklung seines Charakters nicht zufrieden ist, kann im späteren Verlauf bei einem Seelenmeister wichtige Skillpunkte zurück bekommen und so beispielsweise von Kämpfer auf Magier umschwenken.

Die Quests
Neben dem Hauptquest, der Suche nach der entführten Schwester sowie dem magischen Relikt, bietet "Two Worlds" eine Fülle von Nebenquests, die sich meistens in die Kategorien "Erledige Monster hier", "Bringe Gegenstand nach dort" oder "Sammle davon" einteilen lassen. Wie immer finden sich die wirklich interessanten Quests fernab der Handelsrouten, allerdings läuft man dabei auch stets ein stückweit Gefahr, auf übermächtige Gegner zu stoßen. Viele Aufgaben bringen es zudem mit sich, dass sich der Spieler für eine Seite entscheiden muss. Der Auftraggeber kann so schnell zum Opfer werden, was den Wiederspielwert steigert.

So oder so: Die Fülle von Aufträgen in "Two Worlds" ist enorm - dank eines fein säuberlich nach Städten sortierten Tagebuches fällt es zudem nicht schwer, den Überblick zu bewahren.

Flora und Fauna in Antaloor
So vielfältig die Landschaft Antaloors, so vielfältig auch ihre Bewohner. Während in den Schnee bedeckten Bergen des Nordes die Zwerge zu Hause sind, wird die Mitte des Reiches von üppigen und saftigen Wiesen dominiert. Überwiegend mit Wölfen, Bären oder den barbarischen Grom hat es der Spieler hier zu tun. Gen Süden hin wird das Land flacher und das Klima allmählich wärmer, bis schließlich südlich des Gons, wo die Orks das Land beherrschen, schwefelverseuchte Landstriche und Lavaflüsse das Leben erschweren. Schöner ist es da schon an den sandigen Stränden der Westküste. Allerdings hausen hier beispielsweise die amphibischen Scapulari. Banditen oder das klassische Bestiarium - Spinnen, Oger oder Untote - sind so gut wie überall anzutreffen.

Säbelrasseln und Feuerzauber
Um diesen Widersachern begegnen zu können, hält "Two Worlds" für den Streitsüchtigen eine Vielzahl an Waffen und Zaubern bereit. Während Waffen - vom kleinen Dolch über Säbel, Äxte und Piken bis hin zu schweren Bihandern - mit Edelsteinen veredelt werden können, um dem Gegner so etwa mehr Feuer- oder Schockschaden zuzufügen, lassen sich die Zaubersprüche durch so genannte "Booster" verbessern. Jeder Zauberspruch kann mit bis zu drei dieser Zauberkarten kombiniert werden, um etwa die Dauer oder den Wirkungsgrad des Zaubers zu verändern. 

Das Inventar
Während die Zaubersprüche im Inventar gar keinen Platz in Anspruch nehmen, trägt der Spieler schwer an Rüstungen und Co. Eine automatische Sortierfunktion schafft kurzfristig mehr Raum, wer allerdings noch mehr Last mit sich tragen möchte, sollte Ausschau nach einem Reittier halten, dessen Satteltaschen weiteren Stauraum bieten. Platz sparen lässt sich auch mit der Möglichkeit, Gegenstände gleichen Typs miteinander zu verschmelzen. Wer zehnmal das gleiche Schwert findet, kann so aus einer simplen eine wesentlich effizientere Waffe "schmieden". Damit sich das Überangebot an Waffen, Zaubern und Tränken vom Spieler auch verwalten lässt, haben die Entwickler gleich drei Hotkey-Leisten spendiert. 

Heute koch ich', morgen brau' ich...
Ist das Inventar überwiegend mit Kräutern, Tinkturen und anderen organischen Dingen, die sich so gut wie überall einsammeln lassen, gefüllt, lohnt es sich, den Kessel anzuheizen. Wie in "Oblivion" kann der Spieler nämlich auch in "Two Worlds" über das Inventar seine eigenen Tränke brauen. Im Gegensatz zur Konkurrenz braucht es dazu allerdings keine Gerätschaften oder besondere Vorkenntnisse. 

Praktisch ist zudem nicht nur, dass gelungene Rezepturen zur Wiederverwendung abgespeichert werden können, sondern auch, dass sich bereits Gebrautes mit anderen Mittelchen erneut verkochen lässt. Allerdings kann dieses Experimentieren nach hinten losgehen und ein ehemals exzellenter Tropfen schnell zu einem ungenießbaren - weil hochgiftig - Gesöff verkommen.

Reisen durch Antaloor
Wer die großen Distanzen im Reich Antaloor nicht zu Fuß oder schwimmend bewältigen möchte, der kann auf Reittiere oder das umfangreiche Teleporternetz zurückgreifen. Pferde oder die orkische Variante bieten in ihren Satteltaschen nicht nur mehr Stauraum für zusätzliche Items, sondern erlauben auch den Kampf hoch zu Ross. Wer über die entsprechenden Reit-Skills verfügt kann so ganz bequem von oben herab auf seine Gegner einschlagen, ohne dabei selbst zu großen Schaden zu nehmen.

Das Reisen mit Hilfe der im Reich verstreuten Teleporter geht zwar um einiges schneller, doch müssen diese Transportstationen vom Spieler erst gefunden werden. Der Vorteil: Das Spiel dauert länger und man bekommt wirklich jedes Fleckchen zu Gesicht. Der Nachteil: viel Laufarbeit.

Grafik und Sound
Sowohl in optischer als auch akustischer Hinsicht ist "Two Worlds" eine kleine Perle der Programmierkunst. Die Landschaften sind überaus abwechslungsreich gestaltet und überraschen immer wieder mit neuen Details. Vor allem der dynamische Wechsel zwischen Tag und Nacht, Regen und Nebel oder Sonnenschein sorgt für eine dichte Atmosphäre - aufpoppende Bäume, Felsen oder Gegner nimmt man da gerne in Kauf. Einzig die sich häufig gleichenden Innenräume - seien es Häuser oder Dungeons - schmälern den positiven Gesamteindruck.

Untermalt wird das Geschehen von orchestralen Klängen aus der Feder von Harald "Axel F." Faltermeyer, den typischen Naturgeräuschen (zwitschernde Vögel, rauschende Bäche und heulende Wölfe) und einer wirklich tadellosen deutschen Sprachausgabe. Die klingt nicht nur wegen der guten Sprecher toll, sondern vor allem wegen der durchdachten und oftmals sogar witzigen Dialoge.

Online geht das Abenteuer weiter
Neben einem Singleplayer-Modus bietet "Two Worlds" schließlich auch einen Multiplayer-Online-Modus. Während im "Arena-Modus" in "Teamkampf", "Attacke" oder "Monsterjagd" gegeneinander angetreten wird, liegt der Schwerpunkt im "RPG-Modus" auf dem gemeinschaftlichen Lösen diverser Quests. 

Fazit: Um es kurz zu machen: Das Suchtpotential von "Two Worlds" ist enorm. Erst als der Schädel nach stundenlangem Zocken dröhnte, wollte es gelingen, die Maus für eine kurze Pause aus der Hand zu legen. Durch den unkomplizierten Einstieg und das eher action-orientierte Gameplay zieht "Two Worlds" den Spieler gleich in seinen Bann und lässt ihn dank einer gelungenen Präsentation, jeder Menge Quests und den die Sammelleidenschaft weckenden Items auch so schnell nicht wieder los. Zwar kommt auch "Two Worlds" B>
Publisher: Zuxxez
Krone.at-Wertung: 93%

von Sebastian Räuchle

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