Blutiges Schlachtfest

God Of War II

Spiele
07.05.2007 16:50
Als Spieletester passiert es nicht allzu oft, dass man gleich von der ersten Minute eines Spiels an gefesselt vor der Konsole sitzt. "God Of War II", Nachfolger eines der erfolgreichsten PS2-Titel überhaupt, gelingt dies jedoch im Handumdrehen. Der bildgewaltige Action-Kracher lässt selbst so manchen Spieletitel der neueren Generation alt aussehen...

Kriegsgott Ares zog in Teil eins den Kürzeren und wurde von Kratos vom Thron gestürzt. Doch auch der spartanische Antiheld macht seinen Job nicht zur Zufriedenheit der Obrigkeit. Göttervater Zeus möchte ihn, nach all der Zerstörung die er über das Land gebracht hat, lieber tot als lebendig sehen und schickt ihn mit einem gezielten Stoß zwischen die Rippen in den Hades. Doch der nun mehr sterbliche Kratos gibt nicht so leicht auf, kämpft sich seinen Weg an die Oberwelt zurück und versucht nun mit Hilfe der Schicksalsgöttinnen das Rad der Zeit zurückzudrehen, um sich an Zeus zu rächen und selbst den Olymp zu besteigen.

So abenteuerlich diese Geschichte bereits klingt - sie ist nur ein kleiner Teil dessen, was den Spieler in "God Of War II" erwartet. Die ersten Spielminuten schicken Kratos gleich in einen erbitterten Kampf gegen einen übermächtigen Titan. Nach einem ersten Rückschlag besinnt sich der Held beim Liebesspiel mit zwei barbusigen Griechinnen im antiken Whirlpool jedoch seiner Stärke, bohrt ein Loch in die Brust des übermächtigen Gegners und bahnt sich seinen Weg zum hölzernen Herzen des Feindes. Ist dieser zu Fall gebracht, geht es in den Hades und wieder zurück, anschließend mit Pegasus in die Lüfte, um in einer eisigen Höhle Prometheus seiner Ketten zu entledigen und weiter in die nächste Schlacht. So aufregend kann griechische Mythologie sein.

Zeit zum Verschnaufen bleibt da keine, aber wer will das schon bei einem derart fesselnden Spiel? Dass "God Of War II" so viel Spaß macht, liegt vor allem an der Präsentation. Fast gänzlich ohne Ladezeiten hetzt der Spieler von einem spektakulären Schauplatz zum nächsten, ringt Greifen, Medusen und andere Scheuslichkeiten nieder und muss immer wieder staunend feststellen, dass es sich hierbei doch tatsächlich noch um ein Spiel der alten Konsolengeneration handelt. So filmreif die Kulisse und die Zwischensequenzen, so bombastisch auch die orchestrale Musikuntermalung.

Doch nicht nur Optik und Sound wissen zu gefallen, auch das Gameplay zieht den Spieler von Minute eins an in seinen Bann. Dabei handelt es sich streng genommen um ein recht simples Hack'n'Slay: Sowohl mit Waffengewalt als auch mit magischen Tricks wird alles niedergemetzelt, was bei drei nicht auf den Bäumen ist. Durch die so gewonnene Erfahrung eignet sich Kratos nach und nach neue Schläge und Fähigkeiten an, die sich in noch gewaltigeren Attacken entladen. Damit es angesichts des blutigen Schlachtfestes auf Dauer nicht zu fad wird, haben die Macher das Spiel mit kleinen Rätsel- und Turnpassagen oder einem Ritt auf dem Pegasus ausgestattet. Zu guter Letzt wird mit diversen im Spiel gut versteckten Items auch die Sammelleidenschaft des Spielers befriedigt.

Alles aber eigentlich kein Grund, um so aus dem Häuschen zu geraten. Warum macht "God Of War II" dann so viel Laune? Die Entwickler haben besonders viel Wert auf authentisches Spielvergnügen gelegt und das Gameplay mit jeder Menge Quick-Time-Events gespickt. Wer zur rechten Zeit die richtige Button-Abfolge drückt oder die Analog-Sticks kreisen lässt, dreht beispielsweise der Medusa den Hals herum, stutzt einem Greif die Flügel oder schüttelt bissige Feinde ab. Dadurch wirkt jeder Kampf für den Spieler überaus lebendig und alles andere als eintönig. Trotz allem bleibt die Steuerung intuitiv und stellt selbst Einsteiger vor keine großen Hindernisse.

Fazit: In epischer Länge ließe sich darüber berichten, wie toll "God Of War II" aussieht und wie formidabel es sich spielt. Am besten aber ist, man überzeugt sich davon selbst. Die Tage der PS2 scheinen eben doch noch nicht gezählt zu sein. Freunde der Action-Kost kommen an diesem Titel nicht vorbei, Zartbesaitete sollten zuvor Probe spielen. In der griechischen Mythologie geht es eben nicht gerade zimperlich - soll heißen: unblutig - zur Sache.

Plattform: PS2
Publisher: Sony
Krone.at-Wertung: 93%

von Sebastian Räuchle

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