Salz in der Suppe

“Ola Podrida”

Musik
28.04.2007 13:52
Der Name David Wingo klingt, wie viele zustimmen werden, nicht sehr spanisch. Ist er auch nicht. David Wingo ist Texaner, Filmkomponist und ein ziemlich schräger Typ. Und, dass seine Band „Ola Podrida“ heißt, hat auch nichts mit der spanischen Eintopfspezialität zu tun, zumal diese inkorrekt ausgesprochen nur scheinbar genauso klingt, aber ein L mehr hat, wodurch das Ganze ein J wird... aber egal. David Wingo ist mit Westerngitarrenklängen, wie wir sie schon lange nicht mehr gehört haben, das Salz in der Suppe der aktuellen Neuerscheinungen.
kmm

Um das Rätsel gleich zu Beginn zu lösen: Der momentan in New York lebende Texaner hat seine Band nach einer Puppentheatergruppe in Dallas benannt, die ihn in seiner Kindheit sehr prägte. Die Gruppe hieß zwar auch „Olla Podrida“, wie die Suppe der Spanier, nur hat David das Doppel-L nie - und vor allem nie richtig - gesprochen. Es ist ungefähr so wie beim „Olla“, dem ur-österreichischen Slangwort für Kondom – sagt ja auch jeder „Ola“, dazu...

Zu „Ola Podrida“ und ihrem gleichnamigen Debütalbum lässt sich vorzüglich träumen. Von Wäldern, in denen sich kein Blatt rührt, obwohl der Wind pfeift. Von scheuen Wesen, wie den Rehen auf dem Albumcover; davon, wie sie David Wingos melodischen Akkordzerlegungen lauschen und über die nächste Mahlzeit (Gräser oder doch lieber Kastanien?) sinnieren. Oder, wie komisch Wingo auf dem Foto mit der Parkbank, dem Hund und der Pizzaschachtel aussieht, das es übrigens auch in einer Herbstversion gibt.

David Wingo hat nach eigenen Angaben fast zehn Jahre mit dem ersten Album zugewartet, weil er fand, dass es ohnehin schon zuviele gleich klingende Platten in den Regalen gibt, und er warten wollte, bis er etwas einzigartiges hatte. Das warten hat sich gelohnt; jetzt, wo rundherum die Seitenscheitel-Rock’n’Roll Bands wie Pilze aus dem Boden schießen – gerade rechtzeitig hat sich Wingo des guten alten Westerngitarren-Songs angenommen. Songs wie „Jordanna“, das hatscherte „Run Off The Road“ oder das etwas zügigere „Lost And Found“ fallen in die Kategorie Wald-und-Wiesen-Lieder, wie sie seit Norah Jones erster Platte (als der Puls ihrer Lieder noch über dem Scheintot-Punkt war) selten mehr gemacht wurden. 

David Wingo singt über das Wandern, die nicht enden wollende Autofahrt, über den Weltschmerz und selten bis gar nicht über die Liebe. Die Arrangements reichen von Willie Nelson bis The Frames, werden aber nie zu Folksong-lastig oder gar Country. Beherrschendes Instrument ist die Westerngitarre, die Wingo mit extra starken Saiten bespannt und dankbar oft mit bloßen Fingern angezupft spielt, wodurch sie zum prägnanten Träger des kompletten Bandsounds wird. Durch die muskelbepackte Klampfe bekommen „Ola Podrida“ mehr Sound und Tiefgang als so mancher Rock’n’Roll-Hansel. Unbedingt reinhören!

10 von 10 Suppenkasperl


Christoph Andert

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