Seitdem "Metal Slug" 1996 zum ersten Mal für das Neo-Geo-MVS-Arcade-System erschien, behauptet sich der 2D-Shooter standhaft gegen die hochmoderne Spiele-Konkurrenz. Zum zehnjährigen Jubiläum des Arcade-Klassikers kommen nun Wii- und PSP-Besitzer in den Genuss des nach wie vor zu Begeisterungsstürmen hinreißenden Ballerspiels.
Das Besondere an der "Anthology": Neben dem neuesten Teil der Serie ("Metal Slug 6") bekommt der Spieler alle jemals erschienen Umsetzungen - insgesamt sieben Stück (Metal Slug 1-6 plus X). Und zwar größtenteils genau so, wie sie damals auf den Spielhallen-Automaten erschienen, also ohne neumodischen Schnickschnack. Wenn schon retro, dann eben bitte auch erbarmungslos.
Was man dem Spiel natürlich zum Vorwurf machen könnte, ist der Umstand, dass sich die sieben Teile in Sachen Gameplay eigentlich nicht voneinander unterscheiden: Der Spieler rennt mit seinem Lieblings-Charakter von links nach rechts und schießt dabei ohne Rücksicht auf Verluste alles über den Haufen. Zu diesem Zweck gibt es nicht nur jede Menge Power-Ups, die den Schuss der Waffe verändern, sondern auch gepanzerte Fahrzeuge, derer sich der Spieler bemächtigen kann.
Am Ende einer jeden Stage winkt ein monströser Endgegner, dessen Abschuss dem Spieler einige Münzen beschert, die in der "Metal Slug"-Galerie gegen Bilder oder zur Freischaltung des Soundtracks eingelöst werden können.
Wenn es an dieser Zusammenstellung etwas zu kritisieren gibt, dann ist es die Steuerung. Zwar können Wii-Nutzer aus sechs verschiedenen Steuervarianten wählen (beispielsweise Wii-Mote mit oder ohne Nunchuk sowie GameCube-Controller), optimal ist aber keine. Die Möglichkeiten der innovativen Wii-Steuerung werden schlichtweg nicht ausgenützt, wodurch sich "Metal Slug" ganz konventionell und somit ohne Gefuchtel spielen lässt.
Bei Grafik und Sound können freilich keine modernen Maßstäbe zur Bewertung herangezogen werden, dennoch macht "Metal Slug", vor allem der jüngste Teil, auf dem Wii eine sehr gute Figur. Viel sehen kann man nach einer Weile ohnehin nicht mehr, versinkt der ganze Bildschirm doch in gewaltigen Explosionen und Lichtblitzen. Hier scheint die für Videospieler bekannte Epilepsie-Warnung durchaus Sinn zu machen.
Fazit: "Metal Slug Anthology" zeigt mal wieder, dass es nicht viel braucht, um Zocker zu begeistern. Die irrwitzige Ballerei mit dem schrägen Humor macht einfach Laune und lässt einen den Controller so schnell nicht mehr aus der Hand legen. Eine etwas liebevollere Menü-Aufmachung und eine bessere Steuerung wären zwar wünschenswert gewesen, dennoch ist "Metal Slug Anthology" uneingeschränkt allen Retro-Ballerfreunden zu empfehlen.
Plattform: Wii, PSP
Publisher: Atari
Krone.at-Wertung: 82%
von Sebastian Räuchle
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