19.04.2007 11:38 |

Bizarrer Rechtsstreit

Streit um exhumiertes Kaninchen

Zwei Nachbarn, ein Hund und tote Zwergkaninchen, von denen eines schließlich exhumiert wurde: Das Amtsgericht Demmin im deutschen Mecklenburg-Vorpommern hat am Donnerstag nach monatelangem Hin und Her einen Schlussstrich unter den Fall gezogen. Die Hundebesitzerin muss 50 Euro Strafe an die Nachbarsfamilie zahlen, weil ihr Hund Amigo im Oktober ein Kaninchen getötet hatte.

Der Fall hatte für Schlagzeilen gesorgt, weil Amigo schon im Juli 2006 vier Kaninchen ums Leben gebracht hatte und die Kaninchenhalter darauf pochten, dass das im Herbst getötete Tier trächtig gewesen sei. Das bezweifelte die Hundebesitzerin jedoch, grub das Kaninchen wieder aus und übergab es einem Gutachter. Der fand keine Hinweise auf möglichen Nachwuchs. Dem Richter Bernd Kunze war das egal: "Ob tragend oder nicht, ist unerheblich." Das Urteil ist rechtskräftig.  

Verhandelt wurde an drei Termimen. Zunächst sollte die Hundebesitzerin 50 Euro an die Nachbarn zahlen, dann 100 Euro. Beide Angebote des Richters lehnte das Paar ab, das die Kaninchen im Freien für ihre elfjährige Tochter hält. "Wir wollen, dass unsere Tochter nicht mehr wegen toter Tiere weinen muss", begründete der Hausherr. Er verlangte mehrere hundert Euro - auch für die ersten vier toten Kaninchen, für die die Nachbarin bereits eine Flasche Wein, Pralinen und 20 Euro hinübergereicht hatte.

"Für die Tiere im Juli kann man keine mehr Entschädigung fordern, das verstößt gegen Treu und Glauben", sagte Kunze. Was das letzte Kaninchen betreffe, sei es egal, ob das Tier tragend gewesen sei. "Es gibt keine Garantie, dass junge Kaninchen lebend geboren werden." Grundsätzlich gelte: "Das tote Huhn ist so viel wert, wie das Huhn. Es gilt nicht: Es hätte noch 1.000 Eier legen können. Dann wäre wegen der Schadenshöhe das Landgericht zuständig gewesen."

"Nase voll vom Affentheater"
"Der Hund ist eine Westi-Malteser-Kreuzung und ganz lieb, aber wenn er Kaninchen weglaufen sieht, dreht er ab", erklärte seine Besitzerin. Sie sieht sich nicht allein in der Schuld. Die Löcher im Zaun habe auch der Dackel der Kaninchenbesitzerfamilie verursacht. "Das ist ein Rüde und der versucht alles, um zu einer Hündin zu kommen." Sie selbst habe auf jeden Fall "die Nase voll von dem Affentheater".

Neue Gefahr am Nachbarzaun
Den Zaun haben die Kaninchenbesitzer erst einmal dicht gemacht. Amigos Besitzerin sieht aber neue Gefahr für die Kaninchen. "Die Nachbarn auf der anderen Seite halten größere Hunde, drei Dobermänner, die sind auch nicht ohne."