24.04.2007 13:44 |

Mobiles Internet

H.U.I. im Test

ONE hat mit seiner mobilen HSDPA-Internetoffensive H.U.I. den österreichischen Mobilfunkmarkt ordentlich durchgerüttelt und erstmals ein für viele Notebook-User akzeptables Tarif-Angebot vorgelegt. Grund genug, H.U.I. einmal genauer unter die Lupe zu nehmen: Lies hier über die Stärken und Schwächen der H.U.I-Services und warum dem „höllenschnellen, ultra-einfachen Internet“ in Österreich derzeit trotzdem kein anderer das Wasser reichen kann.
20 Euro für einen Gigabyte im Monat zahlt der H.U.I.-Kunde. Der Clou: Ist das Download-Limit vorzeitig verbraucht, wird man auf Modemgeschwindigkeit heruntergesetzt, kann aber bis zum Monatsende ohne Zusatzkosten weitersurfen. Und: Ein neues Breitband-Gigabyte kann im laufenden Monat für fünf Euro nachgekauft werden. Das funktioniert bis zu fünf Mal im Monat. Der Vielsurfer-Tarif H.U.I. Pro bietet 20 Gigabyte für 50 Euro, wobei auch hier die Fünf-Euro-Nachkaufoption für weitere 20 Gigabyte besteht.


ONE lässt die Konkurrenz mit diesem Angebot tarifmäßig ziemlich im Regen stehen: Telering bietet etwa gar keine Datentarife an. T-Mobile und A1 bieten auf den ersten Blick zwar mehr Downloadvolumen, für die 1,5 Gigabyte im Monat zahlt man aber 25 Euro. Ergo: Wer mit H.U.I. das Datenvolumen für 5 Euro verdoppelt, hat für dasselbe Geld 500 Megabyte mehr und kann dann immer noch aufstocken, wenn’s nötig ist. Der einstige UMTS-Pionier Drei gibt 1,5 Gigabyte für 19,- Euro her und unterbietet ONE als einziger Mobilfunkanbieter in Österreich. Allerdings zahlt man (genauso wie bei A1 und T-Mobile übrigens auch) kräftig nach, wenn man das Downloadlimit überschreitet. Drei stellt 10 Cent pro Zusatzmegabyte in Rechnung, A1 und T-Mobile ebenfalls. Nur theoretisch: Das Zusatzgigabyte würde dann 100 Euro kosten.

 

H.U.I. Pro hat überhaupt nur einen ernst zu nehmenden Konkurrenten: A1 und T-Mobile möchten von Privatkunden für fünf bzw. zehn Gigabyte 55 Euro im Monat und fallen daher komplett aus dem Rahmen. Drei staffelt anders und will für 10 Gigabyte 39 Euro, für 30 Gigabyte 59 Euro. Der 10-GB-Tarif ist unter Umständen noch attraktiv, da er womöglich noch unter einer etwaigen Schmerzgrenze liegt, die 30 GB erübrigen sich von selbst, da ONE mit der 5-Euro-Aufstock-Regel für einen Euro mehr im Monat 60 Gigabyte bieten würde – falls man diese Menge als Normalsterblicher in 30 Tagen „versurfen“ kann.

 

Einziger Grund, warum man sich unter den Vieren momentan nicht für H.U.I. entscheiden sollte, könnte nur mehr die Frage der Netzqualität und der Netzabdeckung sein - doch mehr dazu weiter unten. Zunächst ein genauer Blick auf das H.U.I.-Modem...

 

Gerätschaft: Das H.U.I.-Modem im Test
Laut ONE zog H.U.I. in den ersten drei Wochen mehr als 10.000 Neukunden an. An Hardware ist heute wie damals entweder das USB-Modem, hergestellt vom chinesischen Telekomausrüster Huawei, oder eine PCMCIA-Datenkarte, hergestellt von Novatec erhältlich. Seit April ist auch eine neue Datenkarte im Programm, die zukünftige Übertragungsraten von bis zu 7,2 Mbit/s unterstützen kann. Zu Testbeginn war diese aber noch nicht erhältlich.

 

Die erhältliche Datenkarte Merlin U740 von Novatec haben wir uns geschenkt, da sie erstens fast schon ein Auslaufmodell ist und zweitens zwar Surfen im 3,6-Mbit/s-HSDPA-Netz unterstützt, der Datendurchsatz an der PCMCIA-Schnittstelle der Karte aber real nur 1,8 Mbit/s beträgt, was eigentlich ziemlich unsinnig ist und die Karte nicht bzw. nicht mehr empfehlenswert macht.

 

Aber ohnehin ist das USB-Modem, das übrigens alle Mobilfunker von Italien bis Schweden im Programm haben (Huawei muss da eine Art Monopol aufgestellt haben…), der Verkaufsrenner und führte bei ONE gleich zu Beginn zu Engpässen, weil (so sagt ONE) der Ansturm unglaublich groß war. Es könnte (das sagen wir) aber auch sein, dass einfach nicht genügend Modems bestellt wurden…

 

Sei’s drum: Der H.U.I.-Kunde bekommt sein Modem in einer schmucken Cakebox samt Schnellstartanleitung, einem kurzen USB-Kabel und einem Ypsilon-USB-Kabel, das als Switch fungiert, wenn am Notebook ein Engpass an USB-Schnittstellen besteht. Wie bei Handys ist auch für die H.U.I. eine Sim-Karte notwendig, die man in die Modem-Seite steckt.

 

Getestet haben wir in erster Linie mit einem Apple MacBook Pro, aber auch mit Windows-PCs. Die Installation ist auf beiden Plattformen einfach: Treiber drauf, Verbindungsparameter einrichten – fertig. Unter Windows steht zudem noch eine Applikation zur Verfügung, die den Surfkomfort verbessert und bei langsamer Verbindung Bilder auf Websites kleiner rechnet und so den Datenfluss verringert.

 

USB-2.0-Schnittstellen ermöglichen einen Datendurchsatz von bis zu 480 Mbit/s, weshalb man sich hier bei den maximal 3,6 Mbit/s, die das USB-Modem zu bieten hat, keine Sorgen über technische Grenzen machen muss. Das Anstöpseln des Modems dauert allerdings seine Zeit. Bis das kleine Blinklicht am USB-Modem die Farbe Blau als Zeichen für UMTS bzw. HSDPA-Empfang annimmt, vergeht schon mal eine Minute, im schlimmsten Fall (wenn man etwa im Zug oder in der Straßenbahn sitzt) sogar gemessene dreieinhalb.

 

Hardware-Fehler hatten wir im Testzeitraum von cirka zwei Wochen keinen einzigen zu verbuchen. Verbindungsabbrüche gab es nur in der U-Bahn bzw. an Orten, wo auch keine oder sehr schlechte Sprachtelefonie möglich war. Die längste Verbindung hielt das Huawei-Modem über acht Stunden aufrecht, wobei wir hier allerdings keinen Standortwechsel durchführten. Es hätte wohl noch länger funktioniert, wäre nicht das Sandmännchen gekommen. Für das Huawei-Modem gibt es somit eine technische Eins, sowohl fürs Handling als auch für die Verarbeitung des weißen Hartplastikgehäuses.

 

Praxis: Surfen, Verbindungen, Bandbreite
Wir haben das H.U.I.-Modem unter verschiedenen Bedinungen, an verschiedenen Tageszeiten und an verschiedenen Orten, vornehmlich im Großraum Wien und im nördlichen Burgenland getestet. Genauso verschiedenen sind auch die Bandbreiten, die wir erreichen konnten.

 

In der Krone.at-Redaktion in Heiligenstadt kommt man zu Bürozeiten auf durchschnittliche 1,6 bis 1,9 Mbit/s Download-Geschwindigkeit. Am Abend bzw. nachts gingen sich einmal sogar 2,3 Mbit/s aus. Der Upload bewegte sich hier im Bereich von etwa 300 Kbit/s.

 

Andere Testresultate in Wien: Schwedenplatz unter freiem Himmel: 2,4 Mbit/s im Download, 240 Kbit/s Upload; Wien-Südbahnhof unter freiem Himmel: 3,1 Mbit/s im Download, 540 Kbit/s Upload; Wien-Floridsdorf in einem verhältnismäßig neuem Wohnkomplex: 1,8 Mbit/s Download, 180 Kbit/s Upload. Wien, U3-Station Herrengasse oben: 2,2 Mbit/s Download, 410 Kbit/s Upload; auf halber Höhe zur U-Bahn-Station hat sich die Bandbreite ungefähr halbiert. In der U-Bahn war dann nur noch GPRS-Service verfügbar bzw. weiter drin im Tunnel war ganz Sense.

 

Generell ist anzumerken, dass H.U.I. bzw. HSDPA/UMTS in der U-Bahn schlecht bis gar nicht funktionieren. In der Linie U3 hatten wir in Wien einige Totalausfälle, nur in der U6 die größtenteils oberirdisch verläuft, war HSDPA logischerweise verfügbar.

 

Ein Spezialtest war auch eine Zugfahrt von Wien-Südbahnhof bis in den burgenländischen Seewinkel. Die bereits oben angeführte „Rekordverbindung“ am Südbahnhof hielt im Zug ungefähr bis nach dem Gelände des Wiener Arsenals, ab dem Stadtrand war UMTS bzw. HSDPA nicht mehr verfügbar. Auf der Ostbahnstrecke bekommt man generell nur GPRS serviert, das zwar Google-Suchabfrage, Wikipedia und Instant Messaging möglich macht – E-Mails mit Anhängen können aber zur Geduldsprobe werden. Gleiches gilt für aufwendiger produzierte Seiten mit Bildinhalten wie Amazon, Yahoo oder auch Krone.at. Nur in Haltestellen an größeren Orten wie Bruck an der Leitha oder Neusiedl am See war HSDPA (dann aber auch nur kurzzeitig) verfügbar.

 

ONE weiß über die kleinen Unregelmäßigkeiten natürlich Bescheid. Die schwankenden Bandbreiten in Wien hängen davon ab, wie viele Benutzer gerade in einer UMTS-Zelle „hängen“. Je mehr User desto langsamer wird die Verbindung. Die Zellen sind zudem auch unterschiedlich groß. Wer Glück hat, surft ganzen Tag mit 3 Mbit/s. Petra Jakob, Pressesprecherin von ONE, merkte gegenüber Krone.at an, dass „3,6 Mbit/s natürlich ein Idealwert sind“. Was aber nicht heißen soll, dass dieser Wert unerreichbar ist (siehe Südbahnhof oben).

 

Außerdem spiele es eine große Rolle, wo man sich gerade befinde. In Neubauten zum Beispiel, die nach der Planung der Netzversorgung entstanden sind, so Jakob, sei der „Empfang generell schwieriger“. ONE reagiere dann natürlich darauf, bloß dauert es seiher telefonieren gerne, nur der Sender solle halt möglichst nicht direkt vor der Haustüre stehen…

 

Das einzige „Manko“ von H.U.I. ist derzeit also, dass das HSDPA- bzw. UMTS-Netz von ONE bei weitem noch nicht vollständig ausgebaut ist. Im Vergleich zur Mobilkom, die noch immer zu 25% Vater Staat gehört und durch die längere Firmengeschichte und etwas andere Prioritätensetzung auch über ein weiter ausgebautes Netz verfügt, fehlen dem Privatanbieter noch einige Prozent zur angepeilten Versorgung von 90% des Landes.

 

Konkret ist HSDPA laut Petra Jakob in „allen Gemeinden über 5.000 Einwohner“ verfügbar. Das entspricht momentan einer etwa 65-prozentigen Bevölkerungsabdeckung, das heißt fast zwei Drittel der Österreicher könnten HSDPA nutzen. Bis Ende 2007 peilt man die Vollversorgung für Gemeinden über 3.000 Einwohner an, bis Ende 2008 sollen 90% der Österreicher versorgt sein. Kostenpunkt: 260 Millionen.

 

Die 65 Prozent klingen hoch, allerdings entsprechen die übrigen 35 Prozent einer bedeutend größeren Fläche, da es sich dabei um kleinere Städte bis kleinste Ortschaften handelt, in denen die Einwohnerdichte bedeutend geringer ist. Beispiel: Etwa 25% der österreichischen Bevölkerung leben in Wien. Insgesamt wohnen etwa 55 bis 60 Prozent der Österreicher in Städten, wobei es auch 3.000-Einwohner-Städte gibt. Es ist also verhältnismäßig einfach, 65 Prozent Versorgung zu gewährleisten – die restlichen 25 Prozent auf die angepeilten 90 Prozent (Bergbauern und Einsiedler stellen leider keinen Markt für Mobilfunkanbieter dar...) hinzubekommen, bedeutet viel Geld für einen vergleichsweise kleinen Kundenkreis auszugeben.

 

Service-Gretchenfrage: Was, wenn das daheim ein Funkloch ist?
Herauszufinden, ob am eigenen Wohnort HSDPA grundsätzlich verfügbar ist, ist bei allen Anbietern keine Schwierigkeit. Im Internet finden sich entsprechende grafische Landkarten oder Suchmasken, mit denen man sich durch Eingabe der Postleitzahl Klarheit verschaffen kann. Dass HSDPA verfügbar ist, heißt aber nicht, dass (siehe Petra Jakobs Beispiel mit dem neu gebauten Wohnkomplex) in jedem Winkel einer Stadt akzeptable Bandbreiten abrufbar sind.

 

Unsere Gretchenfrage an ONE war, was denn nun ein neuer H.U.I.-Kunde macht, wenn er mit seinem Modem nach Hause geht und plötzlich entdeckt, dass er in einem Funkloch sitzt und irgendwo bei einem Mbit/s herumgurkt und viele Services einfach nicht nutzen kann. Grundsätzlich, so Petra Jakobs Antwort, könne jeder H.U.I.-Kunde mit derartigen Problemen den Vertrag eine Woche nach Abschluss bzw. Erhalt der Hardware auflösen. Kleingedrucktes hat die ONE-Pressesprecherin gegenüber Krone.at nicht erwähnt, weshalb man hier durchaus von einer kulanten Lösung sprechen kann.

 

Fazit
Dass ONEs Tarifgestaltung für H.U.I. den gesamten Markt betrachtet einzigartig ist, muss man nicht weiter ausbreiten. Auch über die Tarife der Konkurrenz, die zwar in manchen Fällen über das bessern ausgebaute Netz verfügt, die sich aber mit wesentlich höheren Preise und der im Jahr 2007 sicher nicht mehr zeitgemäßen „Kostenfalle Zusatzmegabyte“ nicht gerade attraktiv macht.

 

Im Vergleich mit den Nachbarn steht Österreich, das aufgrund seiner bescheidenen Größe für den flächendeckenden Ausbau von Hochgeschwindigkeitsmobilfunknetzen geradezu prädestiniert ist, überhaupt blendend da. In Deutschland ist mobiles Breitband weit von Flächendeckung entfernt und nur in Ballungsräumen verfügbar. Ein Tarifbeispiel: Vodafone verlangt dort für schlappe 400 Megabyte im Monat 35 Euro und berechnet für jedes weitere Megabyte 1,31 Euro. Ein Magazin hat vor kurzem errechnet, dass ein Gigabyte im Ausland mit einem deutschen Mobilfunkanbieter 10.000 Euro kosten würde.

 

H.U.I. macht Spaß und Laptop-Only-Benutzer sollten es als absolut ernste Alternative zu Kabel bzw. DSL-Anschluss betrachten. Allerdings ist H.U.I. im Optimalszenario derzeit nur für 65% der Österreicher interessant – und da muss zudem noch die Infrastruktur passen. Dass mobiles Breitband in Österreich noch in den Kinderschuhen steckt, sollte man aber keinesfalls denken. Dafür ist der Test in unserem Fall und an unseren Locations viel zu glatt verlaufen.

 

Eigentlich muss nur der Netzaufbau vorangetrieben werden, der mobilem Internet dann zum vollständigen Durchbruch verhelfen könnte. Das heißt warten bis 2008 – oder früher? Vielleicht wird’s bis dahin ja noch günstiger? Petra Jakob winkt ab, viel günstiger gehe nicht mehr. „Allerdings“, sagt sie, „in diesem Markt, der ziemlich verrückt ist, kann man keine Prognosen treffen.“

 

Christoph Andert
Donnerstag, 06. Mai 2021
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