Wut, Tränen Verzweiflung waren die Reaktion der jungen Frau auf das Urteil. Sie will nicht glauben, dass die Mutter Iri ermordet, verbrannt und zerstückelt hat. Iri, so nannte Nadine ihre Schwester Sandra, die sie bei aller schwesterlichen Zuneigung als schwierig beschreibt. Seit der Verhaftung der Mutter ist die 22-Jährige praktisch das Familienoberhaupt, muss sich um vieles kümmern. „Das Auto meiner Mutter muss abgemeldet werden, aber der Typenschein ist nicht mehr auffindbar“, erzählt sie von Alltagssorgen.
Auch der Kontakt zur Mutter im Gefängnis ist schwierig. Briefe kamen ungelesen zurück. Vor dem Prozess erreichte ein Schreiben Romana Miny. „Sie hat sich sehr gefreut und trägt den Brief immer bei sich.“
Der Mordprozess wirkt bei Nadine noch nach. „Ich habe mir das ganz anders vorgestellt. Es stehen so viele Details in den Akten, die nicht berücksichtigt wurden.“ Sie selbst fühlt sich missverstanden. „Mir wurde vorgeworfen, dass ich mir alles ausgedacht habe, um meiner Mutter zu helfen. Aber es steht in den Protokollen, dass ich immer so ausgesagt habe.“
Vieles aus ihrer Kindheit fällt ihr wieder ein. Zum Beispiel, dass Iri bereits als Kind von einer Weltreise geträumt hat. Die Mutter eine Mörderin - das will Nadine nicht glauben: „Sie war die Einzige, die wusste, dass das Tattoo einzigartig war. Bei der Beschädigung der Leiche wurde aber das Tattoo nicht angerührt. Warum, wenn meine Mutter sie unkenntlich machen wollte?“ Nadine will weiterkämpfen. „Ich werde alles tun, damit die Wahrheit ans Licht kommt!“
Foto: Chris Koller
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