Strahlende Zukunft

S.T.A.L.K.E.R. – Shadow of Chernobyl

Spiele
13.04.2007 16:17
Das Reaktorunglück von Tschernobyl im Jahre 1986 war nur der Anfang: 20 Jahre später taucht eine erneute Explosion das alte Reaktorgelände in grellweißes Licht. Mutationen und tödliche Anomalien sind die Folge. Sogenannte "S.T.A.L.K.E.R." wagen sich auf der Suche nach Artefakten in die verstrahlte Zone.

Auch der Spieler schlüpft in die Rolle eines solchen Glücksritters und Plünderers, der in einer verregneten Nacht mehr tot als lebendig von einem Kollegen aufgelesen wird. Helfen möchte dieser jedoch nicht, vielmehr versucht er aus dem bewusstlosen Körper beim nächsten Händler Profit zu schlagen. In letzter Sekunde erwacht der Namenlose glücklicherweise, an die eigene Vergangenheit fehlt jedoch jegliche Erinnerung. Einzig ein PDA, mit dem Auftrag einen gewissen Strelok zu töten, ist ihm geblieben.

Auf der Suche nach der eigenen Herkunft begibt sich der Stalker in das Sperrgebiet rund um den Reaktor. Da Strahlung sich aber eher ungut auf das Erbgut auszuwirken scheint, hat der Spieler in der Mischung aus Shooter und Rollenspiel nicht nur mit dem ukrainischen Militär, sondern auch mit wild mutierten Kreaturen zu tun. Besonders gefährlich sind jedoch die so genannten Anomalien, Energiestörungen, die sich zumeist durch ein Flirren in der Luft manifestieren und den Geigerzähler steil nach oben schnellen lassen.

Es gilt also vorbereitet zu sein, wenn man die unglaublich detaillierte und weitläufige Welt von "S.T.A.L.K.E.R." zum ersten Mal betritt. Während man sich gegen Mutanten, Militär und andere Sittenstrolche noch recht effizient mit dem guten alten AK-47 und anderen, zum Teil auch psychischen Waffen zur Wehr setzen kann, hilft bei intensiver Strahlung nur mehr ein ordentlicher Schluck hochprozentiger Wodka oder eine Schutzweste. 

Die Ausrüstung bekommt man gegen Bares aber nicht nur beim Händler des Vertrauens, auch die überall verstreut in der Gegend lebenden Plünderer-Kollegen haben das eine oder andere Extra parat. Oftmals gibt es das entsprechende Item hier aber nur für eine Gegenleistung. Wer also zahlreiche Nebenquests an Land ziehen möchte, sollte sich umhören - zumal so gerade zu Beginn schnell wichtige und wertvolle Erfahrungspunkte gesammelt werden können. Alles Wissenswerte wird übrigens überaus strukturiert auf dem PDA abgespeichert, um so jederzeit Zugriff auf Missionen und die Karte zu haben.

Was man hingegen nur schwer bis gar nicht im Handel bekommt, sind Artefakte - kleine Kristalle, die ihrem Träger übernatürliche Fähigkeiten verleihen, oftmals aber auch unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können, beispielsweise die Strahlungs-Resistenz herabsetzen. Ein besonders begehrtes Artefakt ist der Wunschgönner, mit dem alle Wünsche in Erfüllung gehen sollen. Es versteht sich von selbst, dass dieser Schatz tief verborgen und streng bewacht im Zentrum der Zone schlummert.

Der Weg dorthin ist ein weiter und führt durch eine unglaublich packende und "wunderschön" triste Landschaft. Die Orientierung der Macher an Original-Aufnahmen und die Liebe zum Detail bei der Gestaltung der frei begehbaren Welt spürt man in jeder Baracke und selbst in finsteren und angsteinflößenden Kellerlöchern. Besonders sehenswert sind neben dem fotorealistischen Intro die dynamischen Licht- und Wettereffekte, die einen immer wieder staunen lassen, andererseits dem Rechner aber auch einiges abverlangen. 

Nachholbedarf besteht hingegen bei den Animationen sowie Texturen der anderen Charaktere, die im ansonsten so schönen Setting ein wenig deplatziert wirken, und auch die Soundkulisse hätte opulenter ausfallen können: Die deutsche Sprachausgabe mit russischem Akzent ist ordentlich, den Sounds fehlt es jedoch hier und da an Wumms.

Wer sich durch alle Quests der Singleplayer-Kampagne gearbeitet hat, darf schließlich auch in einem Mehrspieler-Modus für bis zu 32 Spieler online die Zone betreten. Zur Auswahl stehen Deathmatch, Team-Deathmatch und "Jagd", eine Art Capture-the-Flag, bei dem es verstreute Artefakte zu erobern gilt.

Fazit: "S.T.A.L.K.E.R." weiß vom ersten Moment an durch eine wahnsinnig intensive Atmosphäre zu fesseln, hervorgerufen durch eine, bis auf kleinere Abstriche, mehr als sehenswerte Grafik und eine überaus interessante Geschichte. Den Gesamteindruck trüben hingegen der mitunter recht hohe Schwierigkeitsgrad sowie diverse Bugs - ein zweiter Patch ist bereits im Anrollen. Wer jedoch auf intelligente Shooter mit packender Story, Schockeffekte und den gewissen Grusel-Effekt steht, der wird an "S.T.A.L.K.E.R. - Shadow of Chernobyl" nicht vorbeikommen.

Plattform: PC
Publisher: THQ
Krone.at-Wertung: 84%


von Sebastian Räuchle

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