Täter verziehen

Opfer will Aussprache mit Räuber

„Wie er dagesessen ist und geflennt hat, da hab´ ich ihm verzeihen müssen“, sagt Susanne Drexler. Die 22-jährige schwangere Altenfeldenerin hat jenem Räuber (33) vergeben, der sie und ihre ebenfalls schwangere Kollegin in der Tankstelle überfallen und eingesperrt hatte. Sie will ihn treffen, möchte eine Aussprache.

Nur Spende bekommt er von ihr keine: Der Fußballverein, bei dem der Rohrbacher Räuber kickte, hat für ihn eine Spendenaktion gestartet. „Da wird schon genug gestritten, ob das in Ordnung ist. Da halt ich mich raus. Ich hab´ aber auf 500 Euro Schmerzensgeld verzichtet“, sagt Susanne Drexler. Sie und ihre Kollegin Tina Mandl (23) aus Ulrichsberg sind in Frühkarenz. „Tina hat das ganze mehr mitgenommen, für mich ist die Sache abgeschlossen“, meint die Mühlviertlerin, die im Juli ihr Baby erwartet.

Angst vor dem verurteilten Räuber hat sie nicht. Sie will ihn gerne treffen, wenn er aus der Haft entlassen wird. „Er soll mir ins Gesicht sagen, warum er es getan hat.“ Entschuldigt hat sich der 33-Jährige schon oft. „Er hat mir einen Brief geschrieben, seine Mutter hat angerufen, und bei Gericht hat er dann auch mehrmals um Verzeihung gebeten“, erzählt das Überfallsopfer.

Susanne Drexler glaubt, dass der Überfall eine Kurzschlusshandlung war. Weil der Kicker Alimente für seinen Sohn zahlen musste, Geld für Miete und Strom knapp war: „Er hat mir geschrieben, dass ein Kind das Schönste auf der Welt ist.“

 

 

 

Foto: Markus Schütz

Dienstag, 22. Juni 2021
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