Hauchdünner Sieg

Vanhanen gewinnt Wahlen in Finnland

Ausland
19.03.2007 11:03
Nach dem Wahlsieg seiner gemäßigt-konservativen Zentrumspartei will der finnische Ministerpräsident Vanhanen nach einer breiten Zusammenarbeit suchen, um eine neue Regierung auf die Beine zu stellen. "Es scheint nunmehr, dass wir mehr als drei, nämlich eine vierte (Regierungs-)Partei brauchen", sagte er, nachdem er sich zum Sieger der Parlamentswahlen vom Sonntag erklärt hatte.

Der Vorsprung der Zentrumspartei ist knapp ausgefallen: Sie wurde nach Auszählung aller Stimmen laut vorläufigem Endergebnis mit 23,1 Prozent zwar wieder stärkste Kraft. Allerdings büßte die Partei 1,6 Prozentpunkte bzw. vier Mandate ein. An zweiter Stelle mit weniger als ein Prozentpunkt Abstand landete die Konservative Sammlungspartei (Kokoomus) unter ihrem jungen Parteichef Katainen, die bisher in Opposition war. Sie kam auf 22,3 Prozent, machte die Niederlage von vor vier Jahren wett und gewann 3,7 Prozent dazu. Die Zentrumspartei wird nun 51, die Konservativen 50 Abgeordnete in der neuen 200- köpfigen Volksvertretung (Eduskunta) stellen.

Sozialdemokraten mit starken Verlusten
Mit einem Verlust von 3,0 Prozent verloren die bisher mitregierenden Sozialdemokraten von Finanzminister Heinäluomaden den zweiten Rang. Sie schafften nur noch 21,4 Prozent. Dies bedeutet den Verlust von acht Parlamentssitzen, einen Schwund von 53 auf 45 Abgeordnete. Damit sind die finnischen Sozialdemokraten erstmals seit 1962 nur drittstärkste Partei.

Nicht nur Vanhanen, auch Konservativen-Chef Katainen sah seine Partei angesichts der Zugewinne als Wahlsiegerin. "Es wird schwer sein, einen Grund zu finden, unsere Partei nicht in die Regierung aufzunehmen", so seine Ansage.

Schwierige Verhandlungen erwartet
Auf einen möglichen, von Kommentatoren auf Grund der Gewinne der Konservativen nun erwarteten Koalitionswechsel wollte sich Vanhanen jedoch nicht festlegen. "Das Programm ist das Wichtigste", betonte er. Vanhanen stellte sich auf "schwierige" Regierungsverhandlungen ein.

Der Politologe Tuomio Martikainen stimmte dieser Einschätzung gegenüber Journalisten zu: "Große und harte Verhandlungen liegen vor uns. Die einzig mögliche Koalition, die ich sehe - wenn sie aus vier Parteien bestehen soll - ist die aus dem Zentrum, den Konservativen, der Schwedischen Volkspartei und den Grünen. Ich glaube nicht, dass die Sozialdemokraten wieder in die Regierung kommen. Sie haben zu hoch verloren."

Rechtspopulisten legten zu
Schon die bisherige Dreier-Koalition umfasste auch die Schwedische Volkspartei, die am Sonntag leicht verlor (4,5 Prozent/minus 0,1 Prozent). Geringfügigere Verluste gab es außerdem für das Linksbündnis (8,8 Prozent/minus 1,1 Prozent) und die Christlichen Demokraten (4,9/minus 0,5). Grüne (8,5/plus 0,4) und vor allem die rechtspopulistischen, EU-kritischen "Wahren Finnen" (4,1/plus 2,5) legten zu.

Teuerster Wahlkampf und geringe Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung blieb hinter den Erwartungen und Einschätzungen am Wahltag zurück. Von der Möglichkeit, im Voraus zu votieren, hatte immerhin ein Drittel der finnischen Bürger Gebrauch gemacht. Mit 67,8 Prozent war die Beteiligung schließlich aber die niedrigste seit 1939. Damals gingen 66,6 Prozent an die Urnen.

Laut finnischen Medien handelte es sich um den teuersten Wahlkampf in der finnischen Geschichte: Die Zentrumspartei habe 1,5 Millionen Euro, Kokoomus habe eine Million und die Sozialdemokraten 900.000 Euro aufgewendet.

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